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Best Coast – Lässig erwachsen

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Sie können es nicht miteinander tun: Bethany Cosentino und Bobb Bruno vom kalifornischen Noise-Pop-Duo Best Coast können keine Songs zusammen schreiben. Einmal haben sie es versucht, das sei schrecklich gewesen: „Wir saßen auf Bobbs Schlafzimmerboden – und es passierte nichts. Anschließend fuhr ich frustriert nach Hause“, erinnert sich Cosentino. Doch zum Glück tat dieses leidige Intermezzo der künstlerischen Liaison keinen Abbruch.

Seither schreibt Cosentino alle Songs selbst, singt, spielt Gitarre, während Multiinstrumentalist Bruno für die kniffligen Aufnahmeparts im Studio zuständig ist und live den Bass bedienen darf. Die Band mit dem unverhohlen heimatverliebten Bandnamen veröffentlichte 2010 ihr Debüt „Crazy For You“, auf dem sie wunderbare Girl-Group-Balladen hinter dröhnenden Feedback-Kaskaden verbarg, als hätte Phil Spector Mazzy Star unter seine Fittiche genommen. Der Anfang war gemacht, das Album stieg auf Platz 36 der US-Charts, der „NME“ wählte einen Song des Duos unter seine „150 besten Songs des Jahres“, und Drew Barrymore drehte ein Musikvideo zu „Our Deal“.

Mit dem tollen, von John Brion produzierten neuen Album „The Only Place“ lassen Best Coast nun die Surf-Einflüsse und den Sound-Bombast weit hinter sich, um Cosentinos Songwriter-Qualitäten besser herauszustellen. „Beim letzten Album wollte ich meine 50er-Jahre-Girl-Group-Version machen. Diesmal habe ich einfach Songs geschrieben, egal, wonach die klingen“, verkündet sie beiläufig. So liegen auch ihre Vorbilder eher im Offenkundigen – sprich: im West-Coast-Rock und Mainstream-Pop – als im undurchdringlichen Indie-Gewusel Kaliforniens. Cosentino findet es gar nicht peinlich, ja, sogar cool die Eagles zu hören oder Fleetwood Mac. Und sie mag außerdem Country-Sängerinnen wie Tammy Wynette und Patsy Cline, deren Einfluss vor allem in Cosentinos Texten herauszuhören ist – in den Boy-meets-Girl-Geschichten, die trotz der vermeintlichen Simplizität die emotional zerklüftete Landschaft zwischen zwei Liebenden perfekt abbilden.

Der sogenannten Lo-Fi-Connection, zu der Best Coast nach ihrem Debüt gerechnet wurden, fühlte sich Cosentino noch nie zugehörig. Solche jugendlichen Abgrenzungsmethoden sind ihr zu infantil. „Ich will nicht mehr wie das typisch trotzige teenage girl klingen, sondern wie eine 25-Jährige, die durch Identitätskrisen gegangen ist und mit den Kuriositäten des Lebens umzugehen weiß“, sagt sie mit beinahe einstudiert klingender Verve.

Und so lässig erwachsen werden wie Best Coast – das schaffen nur wenige Popbands. Da braucht es nicht einmal eine Songschreiber-Partnerschaft.

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