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Bloc Party live: Indierama, Glitzer Glitzer

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Die Festivals sind vorüber und die luftigen Roben hinten im Schrank verstaut, neben dem Glitzer, den Federn, den Fächern und sonstigen Open-Air-Gimmicks, weil die unzähligen Lieblingsbands ihre Konzerte wieder in verschwitzten Hallen spielen, dort wo die Garderobenschlange wohl ebenso lang ist, wie vor einigen Wochen noch jene vor den Dixies. Doch nicht nur Zwiebel-Look, Schal und Mütze weisen uns auf das Ende eines berauschenden Musiksommers hin, sondern auch das Bier an der Bar, auf dem wieder “Becks” steht, statt M.I.A., Seed, Boys Noize und Bloc Party.

Umso schöner war es bei dem trüben Wetter, dass Becks unter dem Motto “Celebration of Independent Thinking” noch einmal zu einem Abschlussfest ins Berliner E-Werk lud, wo die bunten Art-Labels im Kühlschrank ein letztes Mal bereitstanden.

Allerlei gab es zu bestaunen – dabei sei nicht nur an entzückende 3D-Werbung des Veranstalters gedacht, sondern auch an prominente Gäste, wie Palina Rojinski, Casper, Daniel Brühl und Jana Pallaske. Allem voran war es aber das musikalische Line-up, dass die rund 1200 Facebook-Freunde an diesem November-Samstag freudig in die Nacht trieb: Bloc Party spielten ihr einziges Berlin-Konzert im Rahmen der aktuellen Deutschland-Tour. Die französischen Newcomer C2C gestalteten einen überraschend gelungenen Auftakt, denn so ganz wollte es am Anfang noch nicht warm werden. Die vier DJ’s bewiesen allerdings im Nu, dass sie nicht umsonst vierfach zu den DMC World Champions gekürt wurden und auf millionenfache YouTube-Klicks zurückblicken: Mit vier Turntables fuhren sie nicht nur klangtechnisch groß und melodisch vielfältig auf, sondern sorgten auch visuell mit Lichtinstallationen für einen guten elektronischen Auftritt, der die Masse in nullkommanichts in Fahrt brachte.

Bloc Party, als Headliner des Abends, hatten demnach ein leichtes Spiel, denn die Gäste waren in Tanz- und Jubellaune – nicht nur zu den klassischen Hits, wie “Ares”, “Flux” oder “Helicopter”, die eh immer Moshpit-Ereignis sind, sondern auch zum Repertoire des aktuellen Albums “Four”, aus dem sie vorwiegend – leider -die ruhigen Titel wie “Truth”, “Real Talk” oder “Day Four” vortrugen. Kele Okereke zeigte sich genauso amüsant wie schon eine Woche zuvor im Hamburger Docks, immerhin brachte er ja auch die exakt gleichen Ansagen und Publikumsanimationen. Im E-Werk feierten diese natürlich ihr Debüt, weshalb vor allem das “spontane” Cover von Rihannas “We Found Love”, seine berechtigte Wirkung fand. Traurigerweise wirkten Okerekes Mitmusiker, vor allem Gordon Moakes und Russell Lissack, auch an diesem Abend nur wie angemietet: Von den vereinenden Kreisen des Artworks, die für Verbundenheit, Interaktion und Reunion-Freude stehen sollen war keine Spur – tiefe Schatten unter den Augen verwiesen auf Tourstress und Abgeschlagenheit, finstere Mienen für den Fokus auf die persönliche Hauptattraktion: das eigene Instrument.

Und wenn sich der Blick der Bandmitglieder eben nie mit dem ihres Frontmannes kreuzt, ist es auch kein Wunder, dass jener Tränen in den Augen eines Mädchens der ersten Reihe bemerkte und daraufhin ins Publikum sprang, um tröstenden Beistand zu geben. Doch ein Entertainer war der stimmgewaltige Okereke ja schon immer. Aber auch ein wenig pflichtbewusst, weshalb er locker flockig auch noch Platz für eine Gastgeber-Promotion freischaufelte: “Auf Becks! Unser Lieblingsbier! Nun ja… wenn wir Bier trinken würden.” Die Masse zeigte sich amüsiert, Becks war sicherlich stolz. Nach einer zweiten Zugabe zogen die Londoner von dannen, der DJ Kid Simius übernahm im funkelnden Dress das musikalische Nachtkommando und ein Blick von der Balustrade ließ Nostalgie wach werden, an ein vergangenes Indierama voll Glitzer, Glitzer.

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