Toggle menu

Rolling Stone

Back to top Share
Artikel teilen
  • Facebook
  • Twitter
  • Google+
  • Whatsapp
  • Email
Search
Top-Themen

Dass Stevie Nicks in der Nachbarschaft wohnt, hat Joey Burns arg aus der Bahn geworfen. Bei Calexico hat die einstige Fleetwood-Mac-Elfe zum Glück keine Spuren hinterlassen

Kommentieren
0
Email
Facebook Twitter Google+ Whatsapp Email Kommentare
von

Einmal im Jahr bricht Joey Burns von Tucson in das benachbarte Scottsdale auf, um dort die Baseball-Profis im Trainingslager zu begutachten. Sein Vater kommt dann fürs Abdienende von Kalifornien herüber, mit einem Freund, dessen Sohn in dieser wohlhabenden Enklave von Arizona lebt Gemeinsam kippen sie Bier und schauen sich die Spiele an. Bis letztens die Frau des Sohnes “beiläufig” erwähnte, dass Stevie Nicks ja auch in Scottsdale residiere. Was Burns “kaum fassen konnte”.

Wieder gefasst warf der Sänger und Texter von Calexico die kreative Maschine an. Die befreundete Dichterin in Tucson fiel ihm ein, die “ein Bild von Stevie an der Wand hat” und die “schwer fassbare Persönlichkeit” schwer verehrt. Er sinnierte darüber, was die Ex-Fleetwood-Mac-Elfe “für jemanden bedeuten könnte, der am Ende ist. Eine Heilige, die man anbetet”.

Vergeblich, in diesem Fall jedenfalls. Nicks ist der letzte Lichtblick eines Lebensmüden, der dann doch die Klippen hinabbraust. Den musikalischen Kontext zum Suizid von “Not Even Stevie Nicks…” fand Burns in einem älteren Improvisations-Schnipsel, der ihn gleich “an diesen Fleetwood-Mac-Rhythmus zu ‘Rumours’-Zeiten” erinnerte.

So brachten Burns und John Convertino nach und nach Struktur in den Berg von Musik, der sich in den gut zwei Jahren seit dem letzten Album “Hot Rail” angehäuft hatte. So gewaltig war er, dass Calexico sich den Luxus leisten konnten, zwischendurch neben einer Live-CD (“Scraping”) gleich noch zwei Alben im Internet anzubieten. “Das erlaubt uns, auch musikalisch zu überleben”, erläutert Burns. Man habe “so viel Material, das sich nicht gleich für eine reguläre Veröffentlichung eignet, aber Fans interessieren könnte”. Wobei das Duo-Werk “Aerocalexico”, wie Convertino einräumt, “schon das nächste Album hätte sein können”, realisierte es doch bereits “viele Ideen, die wir mit elektronischen Instrumenten entwickelten”; “Travelall” reflektierte eher Jazz-Einflüsse, die auf “Feast Of Wire”, dem regulären Album, nun mit “Crumble” abgeschlossen werden. So prägnant “Not Even Stevie Nicks…” sein mag, so entschieden wehrt sich Joey Burns gegen die Charaktensierung des neuen Albums als bloße “down-and-out”-Revue. Auch wenn er einräumt, “lieber in einer Tragödie nach einem Funken Hoffnung oder einer interessanten Perspektive” zu suchen. So diktiert nicht unbedingt ein Thema das Album, eher schon dieser verschwörerische Ton, den Burns als Sänger immer konsequenter durchhält. “Zu Anfang wollte ich immer ganz hoch singen, weil ich da die Melodien hörte”, rekapituliert er. Inzwischen habe “natürlich auch die Live-Erfahrung” geholfen, “den Soul inmeiner Stimme zu finden”. Hinzu kommt die Einbindung des Live-Ensembles in die Studioarbeit: Martin Wenk, Volker Zander und Paul Niehaus kredenzen opulente Kontrapunkte wie “Black Heart”.

Der Erfolg von “Hot Rail” hat Calexico endgültig ermutigt, sich als “long-term project” (Burns) zu begreifen, das nicht alles sofort schaffen muss. Optionen gibt es viele. Ein reguläres Duo-Album liegt ebenso um die Ecke wie “der nächste Schritt” (Convertino) mit der assoziierten Mariachi-Kapelle Luz De Luna, nämlich “auch mit ihnen Songs zu schreiben statt sie nur als Ergänzung zu sehen”. Fressen lassen von einer Maschinerie, die Calexico auf dem nächsten Level drohen könnte, wollen sich beide nicht, auch wenn sie die Begehrlichkeiten des (Geschäfts-) Umfelds deutlicher spüren. “Noch größere Hallen und viel mehr wehrdness?” Convertino lacht Er will auch weiterhin genug Zeit “für meine Bücher, meine Platten und meine Tochter” haben und sich “nicht zu sehr auf das konzentrieren, was hinten rauskommen soll”. Während Burns emphatisch kommende Projekte skizziert, ein großes Ensemblestück im Stile von Tom Waits‘ “Black Rider” etwa, berichtet der Schlagwerker auch schon mal von “therapeutischem Mauern”. Hinter seinem Haus zog er jüngst eine Wand zum Nachbarn hoch, sechs Meter lang.

knapp zwei Meter hoch. Bevor er sich dahinter wieder verschanzen kann, wird er allerdings eine Tournee in Europa absolvieren müsssen. Und diesmal sind – ob er es will oder nicht – die Hallen noch größer.

Kommentieren
0
Email

Nächster Artikel

Vorheriger Artikel
  • Ups..
    Eminem – Für des Rappers Vitrine

    Einmal im Jahr bricht Joey Burns von Tucson in das benachbarte Scottsdale auf, um dort die Baseball-Profis im Trainingslager zu begutachten. Sein Vater kommt dann fürs Abdienende von Kalifornien herüber, mit einem Freund, dessen Sohn in dieser wohlhabenden Enklave von Arizona lebt Gemeinsam kippen sie Bier und schauen sich die Spiele an. Bis letztens die […]

Weiterlesen