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Der Jahresrückblick: Wie 50 Jahre Pop gefeiert wurden

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1962 war ein magisches Jahr. Andy Warhol stellte der Welt seine Campbell-Suppendosen vor, die Rolling Stones spielten ihr erstes Konzert, die Beatles starteten ihre Studiokarriere, Bob Dylan schrieb „Blowin’ In The Wind“ und „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“ und veröffentlichte – ebenso wie die Beach Boys – sein Debütalbum. Aus heutiger Sicht erscheint dieses Jahr wie der Urknall des Pop.

Natürlich gab es schon weit vor 1962 populäre Musik – erregende (zumindest für Theodor W. Adorno) wie den Jazz, aufregende wie den Rock’n’Roll, weniger aufregende wie die braven Teen-Idole der frühen Sechziger. Aber irgendwas änderte sich mit dem Auftreten von Dylan und den Beatles, den Stones und den Beach Boys. Pop wurde zur Autorenmusik, erreichte eine neue Dimension des Star- und Geniekultes – und wurde langsam weiß. Ein Mittelklasse-Junge aus Minnesota adaptierte Blues- und Folkmythen, blasse englische Jünglinge bleichten Blues, Soul und R&B, die neuen Songwriter begannen sich von den afroamerikanischen Ursprüngen zu entfernen. Die Musik verlor ihre Ursprünglichkeit – und ihren Rhythmus. Viele Fans schwarzer Soul- und R&B-Singles konnten mit der British Invasion wenig anfangen, weil die Schlagzeuger es einfach nicht brachten. Zum neuen weißen Pop tanzte man nicht, man las ihn wie ein Buch – das Album löste die Single als wichtigstes Format ab. Aus dem Teenie-Phänomen wurde eine (selbst-)referenzielle Kunst. Eine neue Spezies (weißer) Journalisten begann, diese Musik ernst zu nehmen, Verweise zu suchen, Texte zu deuten, Kontexte herzustellen. Die Rockkritik ward geboren. Mit jedem 50. Jubiläum in diesem Jahr feierten die Journalisten sich also auch immer selbst. Denn ohne das, was 1962 begann, gäbe es Magazine wie dieses hier vermutlich nicht, und ohne Magazine wie diese, würde sich niemand mehr an das Jahr 1962 erinnern.   

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