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Dieter Pfaff: der Riese des Gemüts

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Es gibt nicht viele Schauspieler, die einen mit ihrer bloßen Präsenz beeindrucken, berühren, fesseln können. Die meisten brauchen dafür doch Worte, Gesten, ausgeprägte Mimik. Nicht so Dieter Pfaff. Manchmal genügte eine Nahaufnahme seines Gesichts, um den Zuschauer zum Weinen zu bringen: Auch die hemdsärmeligen Typen, ob Polizisten oder Anwälte, spielte er mit einem so wachen wie schwermütigen Blick, als habe er die Welt durchschaut – und versuche dennoch, sie zu verbessern. Seine berühmten Augenringe trugen freilich auch zum Bild des Melancholikers bei.

Dieter Pfaff, 1947 geboren, studierte Lehramt (Germanistik und Geschichte), bis er am Theater Dortmund als Regieassistent die Bühnenwelt für sich entdeckte. Und selbst entdeckt wurde – erst als Regisseur und Autor, dann endlich  (immerhin schon mit Mitte 30) als Schauspieler. In der Krimiserie „Der Fahnder“ wuchs er den Fernsehzuschauern ans Herz, von 1984 bis 1996 spielte er neben Klaus Wennemann und Dietrich Mattausch. Er war in diversen „Tatorten“ zu sehen – und Mitte der 90er-Jahre kamen schließlich die verdienten Hauptrollen, die er sich zum Teil selbst auf den Leib schrieb. Als Mönch „Bruder Esel“ und Kommissar „Sperling“ gewann er 1997 den Grimme-Preis. In „Bloch“ spielte er knapp zwei Dutzend mal einen Psychotherapeuten, der sich eher selten an gängige Methoden hielt. Hier hörte man ihn zuletzt auch singen und klampfen – eine Leidenschaft, die er schon lange pflegte. Am Set hatte er immer eine Gitarre dabei.

Pfaff gelang das Kunststück, gleichzeitig ein großer Schauspieler und doch einer „fürs Volk“ zu sein – sobald er auftrat, wurde auch die banalste Szene zur Schau. Unvergessen, wie der Stoiker in „Bloch“ plötzlich einen Wutausbruch bekam – daneben wirkte selbst Vadim Glowna blass, und das heißt einiges. Oder all die rührenden Momente in der Anwaltsserie „Der Dicke“, die seit 2005 in der ARD lief: das Geplänkel mit Sabine Postel, die Neckereien mit Putzfrau und Sekretärin – und immer wieder der rabiate Durchsetzungswille, wenn es um Gerechtigkeit im Viertel ging. Man wünschte sich, dass es in Wirklichkeit einen Anwalt wie Gregor Ehrenberg gäbe – und jede Woche sah man sich gern die recht unwahrscheinlichen Fälle an, weil Pfaff ihnen die nötige Glaubwürdigkeit verlieh. Und eine Tiefe mitbrachte, die in deutschen Fernsehserien doch eher ungewöhnlich ist.

Auch sein Privatleben unterschied sich von dem vieler unsteter Kollegen: Seit 1969 war er mit der Produzentin Eva Maria Emminger verheiratet; mit ihren erwachsenen Kindern lebten sie in einem Mehrgenerationenhaus in Hamburg. Im vergangenen Herbst wurde bei ihm Lungenkrebs diagnostiziert. Er gab das Rauchen auf und hoffte, bald wieder drehen zu können. Doch am 5. März verlor Dieter Pfaff seinen letzten Kampf. Er starb mit 65 Jahren in Hamburg, im Kreise seiner Familie.

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