DVD 02: This Is Spinal Tap

Es gibt kaum eine Band, die es nicht schon einmal gesagt hat. Sobald etwas Peinliches passiert, heißt es seit etwa 25 Jahren: “Wir fühlten uns wie Spinal Tap!“ Kein anderer Film zeigt so gnadenlos wahrhaftig, wie lächerlich das Rockstarleben sein kann, wie die fiktive Dokumentation „This Is Spinal Tap“ von 1984. Man konnte fast vergessen, dass hier doch Schauspieler am Werk waren – und selbst der angebliche Regisseur Marty DiBergi eine Kunstfigur war. Dargestellt vom tatsächlichen, Rob Reiner, der mit dieser Satire debütierte und später dank „Stand By Me“ und „Harry & Sally“ noch berühmter wurde.

Nur 80 Minuten braucht er, um alle Klischees zu entlarven, die noch heute bei sogenannten Tourfilmen hochgehalten werden: euphorisierte Fans, die nur Blödsinn reden. Tourmanager, die behaupten, alles im Griff zu haben. Gigantische Bühnenbauten und miese Backstage-Räume. Gruselige Proben, schreckliche Interviews, peinliche Autogrammstunden.
Die Geschichte von Spinal Tap ist eine Geschichte von Hybris und Hedonismus, von grandioser Eitelkeit und grausamen Bruchlandungen (und von explodierenden Schlagzeugern). So stupend komisch sind dabei gar nicht so sehr die Spandexhosen und Dauerwellen, die Lederwaren und Herpesblasen. Auch nicht die obszönen Gesten und dumpfen Gesichtsausdrücke. Es sind DiBergis Interviews mit David St. Hubbins, Derek Smalls und Nigel Tufnel, die jede Peinlichkeit offenbaren, die Musiker je ausleben durften. Oder mussten.

Nicht nur an der perfekten Besetzung (in kleinen Rollen tauchen auch Fran Drescher, Billy Crystal und Bruno Kirby auf) sieht man, wie liebevoll dieser scheinbar en passant gedrehte Film geplant wurde. Tatsächlich hatten die (amerikanischen) Schauspieler Michael McKean, Harry Shearer und Christopher Guest die (britische) Pseudo-Band Spinal Tap schon Ende der 70er Jahre für eine TV-Comedy-Show entwickelt, bevor sie sich mit Rob Reiner an die Kino-Version machten. Auch alle Songs stammen von den dreien selbst. – von „Big Bottom“ über “Sex Farm” bis zum programmatischen „Tonight I’m Gonna Rock You Tonight“.