DVD 05: Oliver Stone - The Doors

Die wichtigste Band der späten 60er Jahre waren The Doors gewiss nicht. Jim Morrison hat es trotzdem zur Legende gebracht: Zeitlebens unverstanden, früh verstorben, ein schöner Rebell und düsterer Künstler – das ist der ikonische Stoff, der Oliver Stone („JFK“, „Nixon“) reizte. Obwohl er sich chronologisch an die Bandgeschichte hält, ist dieser Film das Gegenteil einer akkuraten Nacherzählung. Stone hat Details weggelassen, langwierige Ereignisse auf wenige symbolische Momente verknappt und aus Drogenhalluzinationen, Konzertszenen und Orgien einen einzigen Trip inszeniert. Rhythmus und Farben der Bilder sind virtuos montiert und fast immer mit den tranceartigen Songs der Doors unterlegt. Der ganze Film ist Musik.
Im Mittelpunkt aber bleibt immer Morrison, den Val Kilmer meist in Lederhose und offenem weißen Hemd verführerisch verkörpert. Stone rettet ihn hier nicht vor dem Image des Pin-up und Rockstars, sondern benutzt ihn als Projektionsfläche für die Hippie-Ära. Den Summer of Love, Verweise auf Godard, Freud, Nietzsche, Aufnahmen von Bombardements in Vietnam und Protesten dagegen baut er ständig in die Szenen ein. So ist sein Film nicht nur das Porträt einer Band und ihres Sängers, der als Jünger von Dionysos und Schmerzensmann zugedröhnt durch Wüsten, Hotelzimmer und über Bühnen taumelt, sondern spiegelt er assoziativ auch die politische und gesellschaftliche Stimmung, die Sinnsuche einer ganzen Generation wider.
„Die Mädchen wollen meinen Schwanz, nicht meine Texte“, sagt Morrison einmal, der sich ja als Dichter sah. „Ich bin ein Clown.“ Und bemerkt gleich darauf grinsend, er liebe den Ruhm. Weil Morrison, dieser schillernde Lizard King, nicht mehr durchschaubar und ohnehin reiner Mythos ist, erhebt Stone ihn konsequent zum Kunstwerk. Und deshalb beteiligt er sich nicht an den vielen Verschwörungstheorien zu dessen Tod in Paris 1971. Stone zeigt ihn am Ende in der Badewanne als das, was er eigentlich schon zu Lebzeiten war: eine schöne Leiche.
