DVD 08: Taylor Hackford - Ray

Ray Charles Robinson war arm, schwarz, blind und damit eigentlich ohne Chance in den 50er Jahren der USA. Und obwohl er zu einem der erfolgreichsten und bedeutendsten Künstler der amerikanischen Musikgeschichte aufstieg, blieb es schwierig, sein an Dramatik pralles Leben fürs Kino zu verfilmen. Regisseur Taylor Hackford („Ein Offizier und Gentleman“) buhlte bis 2004 mehr als zehn Jahre um Geld für sein Projekt. Was danach folgte, war fast so triumphal wie die Karriere von Ray Charles selbst: Jamie Foxx gewann für die Titelrolle den Oscar als bester Hauptdarsteller, und nominiert waren auch Hackford und der Film, dessen Erfolg eine Welle von ähnlich verfilmten Musikerbiografien nach sich zog.
Foxx („Collateral“) konnte viel Zeit mit Charles verbringen, der allerdings kurz vor Ende der Dreharbeiten verstarb. Perfekt, ohne affektiert zu wirken, verkörpert er dessen Gestik, Mimik und vor allem den charakteristischen Sprechrhythmus. Nur bei den Songs hört man stets den Schöpfer des Soul persönlich. Natürlich tauchen alle seine Hits auf wie „Hit the Road Jack“, „Unchain My Heart“ und „I Can’t Stop Loving You“. Um einer Nummernrevue zu entgehen, wird die Musik auch als Leitmotiv für biografische und emotionale Abschnitte eingesetzt: Mit „I Got A Woman“ etwa findet Charles nicht nur seine Ehefrau Della Bea (Kerry Washington), sondern auch den eigenen Stil aus Rhythm’n’Blues und Gospel.
Mit schlagfertigem Witz und Charme ist Foxx’ brillante Darstellung das Herzstück des Films. Aber Hackford zeigt auch die Schatten auf der Seele des mitreißenden Entertainers: Anfangs wurde er noch ausgenutzt, später setzt er ohne Rücksicht seine Bedingungen durch. Er kämpft um Geld und Aufmerksamkeit, hat zahllose Affären, verfällt dem Heroin. Die Rückblenden auf dessen Kindheit und den Unfalltod seines kleinen Bruders sind virtuos in den Lebenslauf montiert. Ray Charles, erklärt Hackford so, war als Genie ein Getriebener, der seine Herkunft und Schuldgefühle zu verdrängen versuchte.
