DVD 09: Anton Corbijn - Control

„Control“ ist nicht wie andere Musikfilme. Sein britischer Realismus ähnelt den grobkörnigen Schwarzweiß-Fotos, mit denen der Regisseur Anton Corbijn in den Siebzigern berühmt wurde. Auch das Image von Joy Divison wurde stark von diesen Bildern geprägt. Pop, Punk und Jugendmoden sind endlos weit entfernt, und die Straßen von Manchester wirken in „Control“ so trist wie in der Realität. Die Musik von Joy Division erscheint auch deshalb so erhebend und schmerzhaft schön, weil man spürt, dass allein diese Songs einen Ausweg aus der Tristesse eröffnen.
Am Anfang beobachten wir den noch jungenhaft zarten Ian Curtis (Sam Riley), wie er vorm Schminkspiegel versucht, sich in David Bowie zu verwandeln. Es ist 1973 und Bowie hat gerade als „Ziggy Stardust“ gezeigt, dass man sein früheres Selbst abstreifen kann wie eine alte Haut. Als seine Freunde Bernard Sumner und Peter Hook einen Sänger für ihre Band suchen, nutzt Curtis die Chance. Auf der Bühne verwandelt sich der hilfsbereite städtische Angestellte in einen getriebenen Frontmann. Curtis agiert wie besessen: Seine marschierenden Bewegungen sind eckig, fast verzweifelt, der Gesichtsausdruck gequält und unlocker. Und dennoch – dank dem großartigen Sam Riley! – spürt man das ungeheure Charisma dieses Mannes, der als Epileptiker nichts so sehr fürchtet wie den Verlust der Kontrolle.
Doch die entgleitet Curtis leider zunehmend. Die Beziehung zu seiner Frau Deborah (Samatha Morton), mit der er eine Tochter hat, geht in die Brüche wegen einer Affäre mit der schönen belgischen Journalistin Annik Honoré (Alexandra Maria Lara). Curtis versucht aufrichtig es beiden recht machen – und scheitert dennoch tragisch: Am 18. Mai 1980 erhängt sich der 23-jährige in der Küche seiner Wohnung – zwei Tage vor der ersten USA-Tournee von Joy Division.
“Control” basiert auf den Memoiren von Deborah Curtis, die den Film auch produziert hat. Es ist faszinierend ernsthafter Blick, der die Schönheit noch im Detail findet.
