DVD 10: Curtis Hanson - 8 Mile

In jenem Jahr schien Eminem unaufhaltsam zu sein. Der Künstler hatte die vermeintlichen Gesetze eines von Schwarzen dominierten Genres ad absurdum geführt und war als weißer HipHop-Künstler zu Ruhm gekommen. Eben war sein drittes Werk, „The Eminem Show“, erschienen, zuverlässig landete er Hit um Hit, verkaufte aberwitzige Mengen an Alben, war Stammgast in allen Medien. Doch zogen am Horizont bereits erste Wolken auf: Nach einer traumatischen Scheidung und einer Anklage wegen Körperverletzung drohte der Rapper von seiner Vergangenheit eingeholt zu werden.
Eben jene ist auch das Sujet eines Films von Curtis Hanson, der Ende 2002 in die amerikanischen Kinos kommt. Mit feinem Gespür erzählt „8 Mile“ die Geschichte des jungen Fabrikarbeiters Jimmy Smith, der mit seiner kleinen Schwester und der trinkenden Mutter in einem jener Trailer-Parks im suburbanen Detroit lebt. Seiner tristen Alltagsrealität versucht der 23-jährige Smith für wenige Stunden zu entkommen, indem er sich in den Rapper „B-Rabbit“ verwandelt, der Geld für ein Demotape spart und im Rahmen abendlicher Rap-Battles verzweifelt um den Respekt der schwarzen Community kämpft.
Ein modernes amerikanisches Märchen also, in dem die Parallelen zur Geschichte des Hauptdarstellers unübersehbar sind. Britany Murphy erinnert in ihrer Rolle als Alex an Eminems jahrelange On/Off-Beziehung Kimberly Ann Scott, Kim Basinger an seine viel besungene echte Mutter. Tatsächlich hatte Eminem dem Autor Scott Silver Episoden aus seiner Jugend erzählt, die dieser in sein Drehbuch einfließen ließ.
Und doch ist „8 Mile“ weder verkitschtes Biopic noch eilig produziertes Star-Vehikel. Tiefenschärfe und Authentizität gewinnt der Film durch ein bestechendes Ensemble mit einem überragenden Eminem an der Spitze – und durch den offenen Schluss. Am Ende hat Smith zwar eine für ihn wichtige Schlacht gewonnen, aber seine Zukunft belässt Hanson im Ungewissen.
