DVD 11: John Carney - Once

Natürlich ist es das Unprätentiöse, Improvisierte, Verwackelte, das „Once“ zu einem wundervollen Film macht. Der irische Regisseur John Carney musste sein Konzept – eine lebensnahe, klein budgetierte Songwriter-Romanze – notgedrungen zuspitzen, nachdem ihm Hauptdarsteller, Co-Produzenten und Produktionsetats abhanden gekommen waren. Er machte aus der Not eine Tugend, indem er Glen Hansard, Sänger und Songwriter der irischen Band The Frames und eigentlich nur für den Soundtrack zuständig, kurzerhand zum Hauptdarsteller beförderte.
„Once“ erzählt wenige Tage im Leben zweier namenloser Dubliner Musiker (Glen Hansard und Markéta Irglová). Er singt auf der Grafton Street eigene Lieder, die niemand hören will, sie verkauft Blumen, um ihre zweijährige Tochter durchzubringen. Als sie sich kennenlernen, befinden sich beide am Tiefpunkt ihrer Beziehungen. Eine verlorene Liebe, eine heftig kriselnde Ehe, dazu die Musik als Hoffnung auf ein anderes Leben – das ist die Spannung, in der „Once“ eine anrührende Geschichte erzählt, deren laienhaftes Schauspiel glücklich macht. Es gibt hier kein griechisches Drama, keinen Entwicklungsroman, nicht mal ein klares Ende, sondern nur das niedlich-zarte Anbandeln von zwei Menschen in ähnlichen Lebenssituationen, festgehalten in fast dokumentarischen Bildern des Arme-Leute-Dublins.
Und es gibt Musik. Er und sie beginnen, an Songs zu arbeiten, zunächst im Musikladen, dann im Aufnahmestudio. Das gemeinsame Musizieren wird zum Hintergrund der sich anbahnenden Liebesgeschichte, aber auch – wie in einem richtigen Musical – zum Ausdruck dessen, was sich inwendig abspielt. Hansard und Irglová kannten sich lange vor dem Dreh, hatten bei The Frames zusammengearbeitet und unter dem Namen The Swell Season ein gemeinsames Album gemacht, dessen Songs die entscheidenden Momente des Films vertonen. Herausragend ist „Falling Slowly“, Hansards Indie-Folk-Großtat, in dem all die Inbrunst des Sängers steckt. Im Film vermischen sich hier Realität und Drehbuch, schlagen die Gefühle hoch. So hoch, dass das Lied den Oscar bekam.
