DVD 03: Jim Jarmusch - Year Of The Horse“

Ein Regisseur, der sich seinen Stoffen stets nähert, als wolle er Lied darüber schreiben oder ein Mixtape zusammenstellen, und ein Musiker, der in den besten Momenten seiner Karriere das Songformat gegen das Breitwandepos eintauschte.
Irgendwann mussten sich ihre Wege kreuzen. Das geschah schließlich Mitte der 90er Jahre, als Neil Young den Soundtrack zu Jim Jarmuschs psychedelischen Western „Dead Man“ lieferte. Ein Film, bei dem man sich nie sicher ist, ob die Musik die Bilder kommentiert oder die Bilder die Musik illustrieren. Zwei Jahre später begleitete der Regisseur Young und seine Band Crazy Horse auf deren Europa-Tournee. Dabei entstand „Year Of The Horse“ – nicht wirklich eine Dokumentation, eher eine Collage, eine Annäherung. Jarmusch ist hierfür in die Rolle geschlüpft, die er in seinen Spielfilmen den Protagonisten zuschreibt. Er ist der Fremde, der Eindringling. Die Musiker beäugen ihn skeptisch. Ob dieser „artsy fartsy“ Filmemacher aus New York die Magie, die auf der Bühne zwischen ihnen entsteht, einfangen kann, wo sie es doch selbst nicht schaffen, das Phänomen Crazy Horse in Worte zu fassen? Alles habe sich einfach so entwickelt, sagen sie. Über die Jahre des Zusammenspielens, des Streitens, des Freundeseins. Jim Jarmusch lässt sie reden, doch die Wahrheit über diese Band sucht er auf einem anderen Weg ¬-¬ über ihre Musik und seine Bilder.
Er dreht auf Super-8, 16mm-Film und Hi8-Video, was dem Film unterschiedliche Texturen und den Bildern eine amateurhafte Unschärfe verleiht, die tatsächlich mit dem gestochen scharfen Soundtrack zu korrespondieren scheinen. Zwischen seine eigenen Aufnahmen schneidet er zehn, zwanzig Jahre altes Archivmaterial. Wir sehen, wie die Musiker altern, wir hören, wie sich ihre Songs verändern, und schon bald erkennen wir tatsächlich, was es ist, das Neil Young und Crazy Horse an manchen Abenden zur größten Band der Welt macht.
