DVD 04: Michael Winterbottom - "24 Hour Party People"

Eher ein ironischer Abgesang als eine Hymne auf Manchesters Musikszene der 80er Jahre ist der Rückblick von Michael Winterbottom. Das zeigt sich schon bei der Besetzung von Tony Wilson mit dem Komiker Steve Coogan und im Kunstgriff, jenen als damalige Schlüsselfigur zugleich zum Zeugen zu machen, der die verklärten Ereignisse direkt in die Kamera spöttisch kommentiert. Wilson ist der gelangweilte Moderator eines lokalen TV-Senders, der 1976 im Auftritt der Sex Pistols vor 42 Leuten einen historischen Moment („Beim letzten Abendmahl waren noch weniger da!“) zu erkennen glaubt. Er gründet daraufhin Factory Records, nimmt die Band Joy Division unter Vertrag, die sich nach dem Selbstmord von Sänger Ian Curtis in New Order umbenennt, und eröffnet schließlich den legendären Club Hacienda. Wie an einer Zündschnur reiht Winterbottom kreatives Chaos und finanzielles Unvermögen, Größenwahn und Tragödien aneinander, bis alles 1989 nach Postpunk und New Wave mit psychedelischem Indie-Rock, Acid House und vor allem Ecstasy im kurzen Rausch des Rave-Hypes explodiert.

Mit grobkörnigen Konzertaufnahmen, einigen Schwarzweißbildern, einem eklektizistischem Soundtrack und pointiert zugespitzten Anekdoten hat der britische Regisseur („Nine Songs“, „Road To Guanranamo“) 2002 einen doppelbödigen Film aus Semidokumentation und Satire über Drogen, Sex und Genialität inszeniert. Vor allem aus den Exzessen der Happy Mondays, auf deren Song sich der Filmtitel bezieht, haben Winterbottom und sein Drehbuchautor Frank Cottrell Boyce („Code 46“) eine hoch komische Farce gemacht. Ständig zugedröhnt, wissen die Knallköpfe um den Junkie Shaun Ryder gar nicht, was sie tun. Auch Wilson wird immer wieder zur Parodie. Den selbst ernannten Impresario spielt Coogan als Snob, der Philosophen zitiert, sich für einen Ästhet hält und mit Sarkasmus darauf reagiert, dass ihn jeder mindestens einmal ein „Arschloch“ nennt. Seine Eitelkeit fasst perfekt sein Hinweis zusammen, der Film handle ja nicht von ihm, sondern von der Musik.