Eine wunderbare Freundschaft

Bei der zweiten ROLLING STONE ROADSHOW freundeten sich die Lightning Seeds mit den Neulingen Gomez an - und feierten mit Publikum

Der „Raab der Woche“ geht an Markus Kavka. Vor dem Interview fragt der erkältete „VIVA ZWEI“-Moderator den ebenso glanznasigen Andreas Johnson: „Do you have some powder for the nose?“ Und wundert sich, dass der in Lachen ausbricht. Schließlich stellt sich heraus, dass Johnson kein Puder jedweder Art hat, doch eine Assistentin schafft es, die beiden einigermaßen fernsehkompatibel zu schminken.

Kaum einer ist so ganz fit am Nachmittag des Auftakt-Konzerts der 2. „Rolling Stone Roadshow“ im Docks. Aber alle nehmen es mit Humor oder einer erstaunlichen Gelassenheit. Am schlimmsten hat das Schicksal Tom Gray von Gomez erwischt, der zwar nicht krank ist, aber einsam: Der Rest seiner Band hat den Flieger nach Hamburg verpasst und landet erst gegen 18 Uhr. So sitzt der Keyboarder allein im Umkleideraum und fragt sich, was in wenigen Stunden los sein wird. „Ich weiß gar nicht, ob wir gut klingen werden. Wir konnten ja gar keinen richtigen Soundcheck machen.“ Trotz allem lächelt er noch und bietet jedem ein Bier an. „Relaxt sein ist die wichtigste Voraussetzung für diesen Job. Niemals die Panik kriegen!“

Da Gomez jeden Abend eine andere Setlist haben, kann sowieso immer alles passieren. Bloß die kurze Spielzeit macht Tom Sorgen. „Nur eine Stunde ist für uns schon ein Problem. Wir blühen erst richtig auf, wenn wir länger ausloten können, was wir machen wollen. Was tut man mit einer Stunde? Nur die Hits spielen? Oder etwas Mutigeres machen? 60 Minuten sind gar nichts!“ Kein Grund, nicht zu kichern. Gray ist so fröhlich, der braucht gar kein Gras. Nur genug Zeit, um seine Gedanken zu ordnen. Momentan liegt ihm vor allem eine Richtigstellung am Herzen: „Wir sind keine Bluesband, obwohl das immer so dargestellt wird. Wenn wir Synthesizer benutzen, haben wir dann mehr mit Kraftwerk gemein oder mit Creedence Clearwater? Und ist das wichtig?

Und wovon spreche ich eigentlich gerade?“

Gomez‘ Rolle bei der „Roadshow“ ist ihm auch noch nicht ganz klar. Vorsichtig erkundigt er sich: „Dass wir als Letzte spielen – bedeutet das, dass die Leute dann nach Hause gehen können, wenn es ihnen nicht gefällt?“ Als er hört, dass das wirklich nicht der hinterhältige Grund ist, sieht er sehr beruhigt aus.

Nebenan, im Dressing Room von Andreas Johnson, ist schon mehr los. Der Schwede sitzt mit seinen Kollegen rum und freut sich, dass er schon wieder live in Deutschland zu sehen ist „Meine Band besteht inzwischen aus zehn Leuten. Wenn einer mal nicht mit auf Tour gehen kann, springt ein anderer ein. Das funktioniert wunderbar.“ Nach diversen Club-Gigs ist er gespannt auf die Package-Tour. „Das ist doch ein gutes Angebot für kleines Geld: drei tolle Bands zum Preis von einer. War das jetzt arrogant, weil ich mich ins ,toll‘ einbezogen habe?“ Nein, nein. Johnson ist so bescheiden, wie es ein Popstar nur sein kann. Lediglich auf der Bühne erinnert er mit seinen Posen verdächtig an Jon Bon Jovi, obwohl sichjohnsons Sound eindeutig an Großbritannien orientiert. Er bringt dezenten Glamour ins Docks, und die Single „Glorious“ ist wieder einmal der Höhepunkt des Sets.

Lightning Seeds-Chef Ian Broudie sieht beim Soundcheck noch ein bisschen biestig aus, nichts passt ihm. Später entschuldigt er sich:“Ich bin nervös, weil unser Drummer Zak nicht mitkommen konnte. Unser Kumpel Matthew hat zwar schon mal mit uns gespielt, aber wir hatten nur zwei Tage Zeit zum Üben.“ Wo blieb Zak Starkey? Broudie lächelt resigniert. „Er ist mit The Who unterwegs. Das kann man ihm leider nicht vorwerfen.“

Dass sich die Studio-Zaubereien der Seeds nicht eins zu eins auf die Bühne übertragen lassen, weiß Broudie – es stört ihn aber nicht „Sense“,,Pure“ und die obligatorische Zugabe „The Life Of Riley“ -von solchen Songs träumen andere Popbands.

Nach seinem Gig sucht sich Broudie einen Platz im Publikum, um Gomez zuzusehen, die wie Hippies aussehen, aber viel mehr auf dem Kasten haben. Sie schrecken nicht davor zurück, ein originelles Cover von M/A/R/R/S‘ „Pump Up The Volume“ zu spielen und dann auf Flamenco umzuschalten. So viel Mut wird belohnt: Die meisten Zuschauer bleiben – trotz Grays düsterer Visionen – bis zum Schluss.

Am Ende der erfolgreichen Tour, beim letzten Gig in München, wurde es ganz bunt: Nach und nach stürmten alle Lightning Seeds zu Gomez auf die Bühne, holten sich ein paar Fans dazu und spielten auch dann noch weiter, als der Loop im Hintergrund längst abgelaufen war. Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft? Broudie muss dringend ein Lob loswerden: „Gomez haben eine Naivität, die wir längst verloren haben. Und ich meine das nicht als alter Sack.“

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