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Epische Breite in viel zu kleinem Club: Solange Knowles

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Unverhofft kommt oft. Etwa am Sonntagabend in der Rohbeton-Disco „Prince Charles“ im Souterrain des Aufbau-Verlagshauses am Berliner Moritzplatz. Solange Knowles, die jüngere Schwester von Beyoncé, spielt hier einen deutschlandweit exklusiven Clubgig. Bemerkenswert, dass das Multitalent aus New York ohne die Unterstützung einer (großen) Plattenfirma nach Europa gekommen ist. Die Ende November erschienene EP „True“ ist auf dem kleinen Indielabel Terrible Records aus Brooklyn erschienen. Selbst angehende Superstars mit hochprominenter Verwandtschaft müssen heute offensichtlich kleine Brötchen backen. Solanges aktueller Hit „Losing You“ wiederum, mit einem in Südafrika produzierten Video, wurde bislang auf youtube über vier Millionen mal angeschaut.

So ist es dann kein Wunder, dass sich im winterkalten Kreuzberg eine lange Warteschlange durch den Innenhof vor dem „Prince Charles“ bildet. Der Soundcheck hat sich verzögert und die Band samt Background-Sängerinnen wollen noch speisen. Der ausverkaufte Laden füllt sich dann rasch, die Bar wird mit mehreren Reihen belagert, während Solange-Songschreiber Dev Hynes (alias Blood Orange) die Gäste mit einem gepflegten Retro-R´n`B-Set unterhält. Der Sound ist gut und die Stimmung trotz der Warterei durchaus enstpannt. Kurz nach halbzehn gibt der Soundmann sein „Alles-Klar“-Lichtzeichen. Über die Hälfte der zahlenden Gäste kann zwar im Gedränge nur erahnen, was oder wer da auf die Bühne kommt. Doch Solanges imposanter Wuschelkopf wackelt zuweilen über die Kopfreihen.

Trotz der eher widrigen Bedingungen wird schnell klar: Die Frau kann singen und hat – wie die Jubelmenschen vorne an der Bühne durch wedelnde Arme andeuten – auch eine mitreißende Ausstrahlung. Das Tempo ihrer Songs liegt eher im mittleren BpM-Bereich, und trotz der modernen Produktionsweise liegt ihr eine deepness am Herzen. 12 Songs stehen auf der Songliste am Mischpult, der größte Jubel brandet bei „Losing You“ auf, wo kurz ihr florales Oberteil durch die Menge blitzt. Zwei, drei Zugaben (mit Hitwiederholung) noch, dann werden die Fans wie dampfende Rennpferde in die Nacht entlassen.

Auf Tiefe angelegter Neo-Soul hat es im engen Clubformat immer etwas schwer seine epische Breite zu entfalten. In einem Las-Vegas-artigen Set mit Tischen und Stühlen wäre Solange wahrscheinlich angemessener rübergekommen. Doch auch die Berliner Kargheit hat vermitteln können, dass sich hier ein kommender Star entwickelt. Das nächste Mal dann gerne in einem etwas würdevolleren Ambiente.

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