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George Harrison: Mit „All Things Must Pass“ zum erfolgreichsten Ex-Beatle

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Mit seinem Dreifach-Album „All Things Must Pass“ gelingt George Harrison als erstem Ex-Beatle eine Nummer-Eins-Platte in den US-amerikanischen Billboard-Charts. Die Spitzenposition hält das Album sieben Wochen lang.

Franz Schöler hat die remasterte Version von „All Things Must Pass“ für unsere März-Ausgabe von 2001 rezensiert:

Seine manchmal fast wie Predigten vorgetragenen Erkenntnisse und Confessions verpackte George Harrison bei seinem Solo-Debüt in so einschmeichelnde Songs, dass ihm einfach niemand böse sein konnte ob all seines religiösen Eifers. Die Stücke handelten von der Vergänglichkeit alles Irdischen, sangen das Hohelied der Liebe, beklagten auch schon mal die Tatsache, dass wir uns gegenseitig die Herzen brechen, erläuterten einiges über die Kunst des Sterbens und lobten vor allem den Herrn, dessen Namen es zu preisen und zu singen gelte.

Weniger von der himmlischen, mehr von der irdischen Liebe handelten zwei Lieder, die Bob Dylan für ihn solo („If Not For You“) bzw. gemeinsam mit ihm geschrieben hatte („I’d Have You Anytime“). Das war der erste Ohrwurm auf einem Triple-Album, mit dem der Gitarrist ein für allemal aus dem Schatten seiner Kollegen treten und beweisen wollte, wie sehr er sein Licht als Komponist während der Beatles-Jahre unter den Scheffel hatte stellen müssen. Während der „Wonderwall“-Soundtrack und die öden Moog-Spielereien von „Electronic Sound“ ein Jahr zuvor noch größere Flops waren, gelang ihm mit diesem magnum opus das, was man heute einen Megaseller nennt. Badfinger, Dave Mason, Ringo Starr und Klaus Voormann, Gary Brooker, Peter Drake und praktisch die komplette Besetzung jener Band, die bald unter dem Namen Derek & The Dominos berühmt werden sollte, assistierten bei den Sessions nach besten Kräften. Nur über den Wall Of Sound, in dem Co-Produzent Phil Spector viele Songs abmischte, ist Harrison heute nicht mehr so glücklich. Gleich zu Beginn seiner Linernotes bekennt er, dass er das alles am liebsten als Remixes wiederveröffentlicht hätte. Offen lässt er, warum er das – anders als Frau Ono bei den ersten beiden LPs ihres Göttergatten kürzlich am Ende doch nicht tat.

Nur Zyniker würden behaupten, dass die 3-LP-Kasserte vielleicht auch den Titel eines seiner früheren Songs (nämlich „It’s All Too Much“) hätte tragen können. Es mag sogar sein, dass keiner dieser über die Jahre hinweg angesammelten Songs die schiere Klasse von „Something“ und »While My Guitar Gently Weeps“ hat. Als kollektiver kreativer Kraftakt ist Jiil Things Must Pass“ dennoch zumindest die ersten vier LP-Seiten lang die Sternstunde in Harrisons Schaffen geblieben. Pete Townshends Tonmann Jon Astley hat bei der Neuüberspielung so erfinderisch an den Mischpultknöpfen gedreht, dass die Songs erstmals nicht mehr wie hinter fünf dicken Vorhängen musiziert, sondern teils gar richtig high-fidel klingen. Der ganze Bombast von Spectors „Klangwall“ nervt deswegen bei manchen Aufnahmen allerdings noch mehr.

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