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Ravi Shankar: Das ROLLING STONE Interview

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Der große Meister misst nicht einmal 1 Meter 60, doch sein Ruf wirft in Musikerkreisen noch immer lange Schatten. George Harrison nannte ihn den „Godfather of World Music“, und vermutlich hat niemand so viele unterschiedliche Musiker beeinflußt wie der indische Sitar-Guru – von den Beatles, Byrds und Grateful Dead bis hin zu John Coltrane (der seinen Sohn gleich Ravi nannte) und dem Avantgardisten Philip Glass. Auf seinem neuen, von Harrison betreuten Album „Chants Of lndia“ beweist Shankar einmal mehr, daß er nicht nur ein Meister der klassischen indischen Musik ist, sondern im Rahmen eigener Kompositionen auch zu experimentieren weiß. Daß Shankar, mittlerweile 77, auch von seinem Humor und jugendlichen Elan nichts verloren hat, bewies er in unserem Gespräch.

Wie kam es dazu, daß Ravi Shankar überhaupt wieder ein Lebenszeichen von sich gibt?

Der Boß meiner Plattenfirma sagte: „Wenn die anderen mit ihren spanischen Mönchen so viel Erfolg haben, warum nicht wir? Wie wär’s, wenn Du ein paar indische Gesänge aufnehmen würdest?“ George Harrison war begeistert von der Idee und übernahm spontan die Produktion. Manche dieser Gesänge stammen aus den alten indischen Schriften, einige habe ich komponiert. „Mangalam“ etwa entstand, als ich in Friar Park spazierenging, Georges Landsitz, wo wir das Album aufnahmen. Ich sah die Bäume, den Himmel – und war erfüllt von dem Wunsch, alle Menschen möchten gut miteinander umgehen. Und dann fing ich an zu komponieren. Alles, was ich mache, kommt spontan. Manchmal braucht es viel Zeit, manchmal kommt es einfach so.

Wieviel hat George Harrison zu diesem Album beigetragen?

Er spielt auch ein bißchen Gitarre, Glockenspiel, Vibraphon, Zither. An ein paar Stellen singt er auch. Aber vor allem seine Begeisterung war es, die mich inspiriert hat.

Wie darf man sich als Außenstehender die Beziehung zwischen einem Popmusiker und einem indischen Sitar-Virtuosen vorstellen?

George begegnet mir mit einem unglaublichen Respekt; in der Hinsicht ist er sehr indisch. Wir sind gute Freunde, aber gleichzeitig ist er für mich auch wie ein Sohn – ein sehr schönes, vielschichtiges Gefühl.

Wann und wie sind Sie ihm eigentlich zum ersten Mal begegnet?

1966, im Haus eines Freundes. Ich hatte schon von den Beatles gehört, wußte aber nicht, daß sie so berühmt waren. Ich traf alle vier, aber mit ihm verstand ich mich am besten. Er wollte richtig Sitar spielen lernen. Ich erklärte ihm, daß es bei der Sitar, anders als bei der Gitarre, nicht darum geht, Akkorde zu lernen. Bei der Sitar braucht man mindestens ein Jahr, um überhaupt richtig zu sitzen. Und dann macht man sich die Finger kaputt – siehst Du, hier (zeigt die Schwielen auf seinen Fingern). Er sagte, er wolle es ernsthaft versuchen.

Was hielten Sie von seinen Gehversuchen auf „Norwegian Wood“?

Nicht so viel, um ehrlich zu sein. Meine Nichten und Neffen spielten es mir vor und waren völlig hingerissen. Ich konnte es kaum glauben, weil ich es ganz schrecklich fand.

Bei dem „Monterey Pop Festival“ zwischen all den Hippies aufzutreten muß doch wohl ebenso gewöhnungsbedürftig gewesen sein.

Ich war schockiert. All diese verrückt angezogenen Leute – und alle stoned! Für mich war das eine ganz neue Welt. Ich mochte Otis Redding, die Mamas & Papas und Peter, Paul and Mary – die hatten etwas Beruhigendes. Jimi Hendrix dagegen… Er spielte wunderbar Gitarre, aber dann legte er mit seiner Show los – nicht genug, daß er sich an seine Gitarre ranmachte wie an eine Frau, zum Schluß verbrannte er sie auch noch! Das war mir dann doch zuviel. In unserer Kultur werden Instrumente verehrt, sie sind wie ein Teil Gottes.

Was waren Ihre Eindrücke, als sie das erste Mal nach Amerika kamen?

1932 kam ich nach New York. Damals hatten sie gerade das Empire State Building gebaut. Ich ging in den Cotton Qub und hörte Cab Calloway. Er war phantastisch. Wir sahen eine Broadway-Show – Will Rogers mit se inen Lasso-Tricks – und gingen dann in die Radio City Music Hall, wo die Rockettes spielten. Wow!

Und was begeistert Sie heute?

Special Effects. Disneyland. Shoppingmails. Keine Ahnung, warum. Und im Fernsehen sind meine Lieblingssendungen immer „Mission: Impossible“, ,I Spy“ und „Hawaii Five-O“. Ich liebe Krimis.

Vermissen Sie das große Pop-Publikum, das Sie in den 60er Jahren hatten?

Als George mein Schüler wurde, kamen die jungen Leute in Scharen, weil mit den Hippies auch das Interesse für indische Kultur kam. Leider wurde dann alles in einen Hut geworfen: Drogen und Kamasutra und Hasch und alles. Ich war so etwas wie ein Rockstar. Die oberflächlichen Leute verloren wieder schnell das Interesse. Diejenigen, die blieben, sind immer noch da. Jetzt sind sie natürlich etwas älter, tragen keine Perlenketten und langen Haare mehr und haben mit Drogen nichts im Sinn. Ich habe nie gesagt, daß man keine Drogen einwerfen oder keinen Alkohol trinken soll, ich habe mich nur dagegen gewehrt, daß Drogen automatisch mit unserer Musik und Kultur in Beziehung gesetzt werden. Mir war wichtig, daß die Leute nicht bekifft in meine Konzerte kommen. Ich sagte: „Gebt mir die Chance, euch durch die Musik zu berauschen.“ Denn den Effekt hat sie wirklich! Dieses Machtwort war nötig, und nur deswegen bin ich immer noch da.

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