Trixie Whitley

Trixie Whitley

Es gibt vier Gefühle, sagt Trixie Whitley, die ihr Leben und damit auch ihre Musik ausmachen. Liebe und das Verlangen danach („Need Your Love“). Die Einsamkeit im „Hotel No Name“, ertränkt in Feedback, Verzerrung und einer Ahnung von Rock-Aufbruch. Die Wut über „Irene“, den Sturm, der ihr einfach so die Freiheit nahm. Schließlich die Freude, die sie in „Oh The Joy“ beschwört, nicht überschäumend, eher verloren, begleitet nur von einer National-Steel. Was dann doch auch an ihren Vater, den leider früh gegangenen Chris Whitley erinnert.
Die starke Stimme der 25-jährigen Trixie – präsent gerade da, wo sie nicht auftrumpfen will, sondern letzte, leise Nuancen ausreizt – hatte sich schon 2010 beim „Black Dub“-Projekt strahlend über die gewohnt unterbelichtete Produktion von Daniel Lanois erhoben. Das aktuelle Studioteam Thomas Bartlett alias Doveman (Antony, Grizzly Bear etc.) und Pat Dillett (David Byrne, Mary J. Blige etc.) stellt Whitleys Alt und ihre mindestens soliden Songs auf ihrem Solo-Albumdebüt nun in ein helleres, auch aufgeräumteres Soundfenster, mal in der eher traditionellen Dramaturgie des mächtigen „Breathe You In My Dreams“, mal in der moderneren Anmutung von „Gradual Return“, das auch Whitleys Interesse an komplexer, offener Rhythmik verrät.
Die Protagonistin geht selbst dann nicht verloren, wenn noch von Rob Moose (Bon Iver) arrangierte Streicher hinzukommen, im Gegenteil. Im schwebenden Titelstück entfaltet sich ihr schönster Auftritt. Oder nicht doch im tastenden „Pieces“? In „Morelia“? Denn Whitley ist jederzeit stark genug, um sich in ein paar jazzige Akustik-Akkorde, ein bisschen Klavier, ein paar Strings fallen lassen zu können. „Let it be meaningful“, fleht sie dann, „don’t let the river go dry.“ Wenn nicht alles täuscht, wird dieser Fluss lange nicht austrocknen.