Devendra Banhart

Mala 

Nonesuch/Warner

Dreieinhalb Jahre sind seit Devendra Banharts letztem Werk vergangen. Das ist für den Songwriter, der inklusive des apokryphen Debüts „The Charles C. Leary“ im vergangenen Jahrzehnt sieben Soloalben veröffentlichte (von den Kollaborationen ganz zu schweigen), eine ziemlich lange Zeit. So richtig vermisst hat man ihn aber nicht. Zum einen vielleicht, weil es – wenn man mal ganz ehrlich ist – kaum Songwriter gibt, die nach ihrer siebten Platte noch besonders viel Weltbewegendes mitzuteilen haben (zur Orientierung: Neil Youngs siebtes Solowerk mit neuen Songs war „Tonight’s The Night“; Leserbriefe bitte direkt an die Chefredaktion), zum anderen, weil seine auf Alben wie „Rejoicing In The Hands“ (2004) und „Cripple Crow“ (2005) so reizvolle Mischung aus Folk und Tropicália gegen Ende des vergangenen Jahrzehnts in Schönklang und Gefälligkeit verendete. „What Will We Be“ von 2009 war schon gefährlich nah am Kaffeehausketten-Ambiente. Da hatte Banhart seine wichtigste Mission allerdings auch schon längst erfüllt: die Aufmerksamkeit auf die verblassenden Ränder der Pophistorie zu lenken und so die Wiederentdeckung fast vergessener Künstler wie Vashti Bunyan, Karen Dalton oder Víctor Jara zu fördern. Auf „Mala“ zelebriert er nun – ähnlich wie Nick Cave auf seinem neuen Album „Push The Sky Away“ – die Kunst des Understatements und des hypnotischen Grooves. Ein stupides Riff eröffnet das Album, Banhart haucht „You believe in visions and prayers, but you don’t believe in what’s really there/ You’re a young man on the dancefloor“, und nach anderthalb Minuten ist der Spaß vorbei. Es folgen: ein Slowcore-Bossa-Nova, der in süßlichen Harmonien erblüht, ein verhallter Reggae mit dem kuriosen Titel „Für Hildegard von Bingen“, der nicht nur bei Vollmond wirkt, ein wundervoll eingängiges Stück Hippie-Pop titels „Never Seen Such Good Things“ und eine Art Caetano-Veloso-Folk. Das lässige Duett zwischen Banhart und Gastsängerin Ana Kraš, „Your Fine Petting Duck“, geht schließlich ganz unvermittelt in ein pulsierendes Elektro-Pop-Stück mit deutschem Text über: „Als eine Flamme reist du durch das essentialisierte Universum“, radebrecht Banhart. Keine Ahnung, was das zu bedeuten hat. Vielleicht ein Verweis auf die zweite Hälfte des Albums, die man mit gutem Willen als Krautrock-inspirierte Suite deuten kann. Die Songs fransen ein bisschen aus, Psychedelia, Elektronik und Folk umspielen einander, die Melodien sind nicht mehr ganz so zwingend, und alles mündet in einer Yo-La-Tengo-artigen Post-Rock-Ballade.
Eine Neuerfindung ist „Mala“ nicht, aber vielleicht ist es der sachte Anfang von etwas Neuem. Banhart und sein Freund und Langzeit-Produzent Noah Georgeson haben ihr musikalisches Repertoire ein bisschen erweitert und so die magenschonende Gefälligkeit des letzten Albums gebrochen. Im Kaffeehaus wird „Mala“ vermutlich niemals aufgelegt werden, im Coffee Shop dagegen wohl öfter.