Toggle menu

Rolling Stone

Back to top Share
Artikel teilen
  • Facebook
  • Twitter
  • Google+
  • Whatsapp
  • Email
Search
Top-Themen

Joachim Witt Dom

Sony VÖ: 28. September 2012

Kommentieren
0
Email
Facebook Twitter Google+ Whatsapp Email Kommentare
von
Joachim Witt
Caption
Foto: Sony

Man sieht ihn schon am Schwimmbecken von Andrea Kiewel, sonntags um zwölf im ZDF: „Du bist mein Blut / Bist mein Herz / Du schenkst mir Mut …“ Drei Tänzerinnen wedeln mit Tüchern und bewegen die Lippen, ein Knecht knüppelt aufs Schlagzeug, jemand hampelt wie irr am Keyboard. „Die Zeit streut Blumen in unser ka-haltes Herz … Ja, wir baun uns ein Königreich …“

Witt war der „Goldene Reiter“ und der „Herbergsvater“, er schrieb herrlich überkandidelte Songs wie „Kosmetik“ und „Wieder bin ich nicht geflogen“, und sein Album „Märchenblau“ von 1983 ist so gut wie alles von Fehlfarben. Mehrfach beging er kommerziellen Selbstmord: Proto-House mit „Mit Rucksack und Harpune“, verfrühte Nostalgie mit „Moonlight Nights“, Konzeptionswahn mit „König der Träume“. 1998 der Triumph mit „Die Flut“, später „Bayreuth eins“ im Gefolge von Rammstein. Als bei diesem komplett meschuggen Opernprojekt „das kommerzielle Moment dieser Werkreihe in den Hintergrund geriet“, wie der Waschzettel es vornehm formuliert, trat die Plattenfirma in denselben. Witt überraschte 2005 mit „Pop“, doch „die horrenden Werbekosten“ waren nicht „zu deckeln“.

Auch „Dom“ sieht nach hohen Werbekosten aus, Witt ist jetzt bärtig und schaut einen unverwandt an. Er ist Der Graf, er knödelt finster, er salbadert tiefstimmig, die Elektronik wummert und dräut riefenstahlesk, Streicher tosen, alles ist Kathedrale, Kitsch, Blut und Beben, die Elemente toben, ein Schifferklavier seufzt im Orkan. Am Ende gurrt Witt den zarten Schauergesang „Untergehen“, eine Frauenstimme lockt in den Abgrund: „Wir werden untergehen / Um wieder aufzustehen / Die Hoffnung stirbt zuletzt / Halt an der Liebe fest …“ So klingt es doof, aber als Lied lässt es einen wohlig erschauern.

„Dom“ ist Camp, es wird bei Beerdigungen gespielt werden und in Diskotheken. Ist schon ein genialischer Knallkopf, dieser Joachim Witt.

Kommentieren
0
Email

Nächster Artikel

  • Tori Amos
    Tori Amos Gold Dust
    1. Oktober 2012

    Man sieht ihn schon am Schwimmbecken von Andrea Kiewel, sonntags um zwölf im ZDF: „Du bist mein Blut / Bist mein Herz / Du schenkst mir Mut …“ Drei Tänzerinnen wedeln mit Tüchern und bewegen die Lippen, ein Knecht knüppelt aufs Schlagzeug, jemand hampelt wie irr am Keyboard. „Die Zeit streut Blumen in unser ka-haltes Herz … […]

Vorheriger Artikel
  • John Cale
    John Cale Shifty Adventures In Nookie Wood

    Man sieht ihn schon am Schwimmbecken von Andrea Kiewel, sonntags um zwölf im ZDF: „Du bist mein Blut / Bist mein Herz / Du schenkst mir Mut …“ Drei Tänzerinnen wedeln mit Tüchern und bewegen die Lippen, ein Knecht knüppelt aufs Schlagzeug, jemand hampelt wie irr am Keyboard. „Die Zeit streut Blumen in unser ka-haltes Herz … […]

Weiterlesen
  • GLUT UND ASCHE
    GLUT UND ASCHE
    3. März 2006

    So hätte „Es geht voran“ wohl sein sollen: Nachdem die Neue Deutsche Welle Fehlfarben (nachträglich auch „Monarchie“) in die Charts gebracht hatte, vollführte das übriggebliebene Trio Schwebel/Bauer/Jahnke die damals für Ex-Mods typische Wende zur schwarzen Musik (vergleiche Paul Weller und Style Council). Sie waren gut beraten: Mit dem Keyboarder Mattias Keul hatten sie einen grandios […]

  • Twin Sister - Bad Street
    Twin Sister - Bad Street
    10. Juni 2011

    Twin Sister aus Watermill, New York veröffentlichen zwar erst am 27. September ihr erstes Album „In Heaven“ via Domino Records, sind aber doch schon in aller Munde, zumindest westlich des großen Teichs. Im Oktober tourte das Quintett bereits mit Devanda Banhart den mittleren Westen um Nashville, New Orleans und Houston und auch nach Europa hat […]

  • Saint Anthonsy's Fire
    The Great Grandfathers - Hysterics
    30. November 2012

    „‚Saint Anthonsy’s Fire‘ ist das ertragreiche Resultat harter Arbeit mit einer Kombination diverser Sessions im Badezimmer und akribischer Studiofrickelei.“ Diese Zeilen entnimmt man dem Blog der Band The Great Grandfathers. Es ist das schrullige Erstlingswerk der Musiker aus St. Louis, einer Stadt, die auch schon Chuck Berry hervorgebracht hat. Vielleicht ist das auch die Erklärung […]

Kommentar schreiben