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Richard Thompson Electric

Proper/Rough Trade

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Foto: Proper/Rough Trade

Angst erfüllt einen, wenn man das neue Richard-Thompson-Album abspielt. Das, was man stets befürchten musste und doch nie für möglich gehalten hätte, wird im rumpelnden Folk-Standard „Stony Ground“ Realität: ausuferndes Gegniedel, das dem knarzigen Schaukelstuhl-Rock von John Hiatt gefährlich nahe kommt. Was an sich nicht schlimm ist, nur liebt man Thompson ja weniger für seine zweifellos überragenden Fähigkeiten als Gitarrist, sondern als Songwriter bösartig-brillanter Liebeslieder wie „Sibella“ oder „Why Must I Plead“.
Im Country-Stomp von „Salford Sunday“ frisst er jedoch vorerst Kreide: „Salford Sunday/ Morning after/ Bass drum beaten in my head/ Sunday papers/ Talkin’ scandal on a cold side of the bed/ For I left a weeping willow/ She should be right on my pillow/ If I wasn’t such a hard nose/ Such a perfect waste of time.“ „Sally B“ und „Stuck On The Treadmill“ sind wiederum knochentrockene Stilübungen. Thompsons gehirnwindungendurchpflügende Soli reiben an Michael Jeromes schepperndem Schlagzeug, dass es sich nach kaum mehr als solidem Handwerk anhört, was auch an Buddy Millers pappiger Produktion liegt.
Doch gerade, wenn man „Electric“ schon für mittelmäßig befinden will, nimmt die Platte eine grandiose Wende, gelingen Thompson die anbetungswürdigen Balladen „My Enemy“ und „Another Small Thing In Her Favour“ sowie die mit trügerischer Heiterkeit vorgetragenen Abrechnungen „Good Things Happen To Bad People“ und „Straight And Narrow“ mit toller Sixties-Orgel. Noch besser sind die Bonussongs, die der limitierten Version von „Electric“ beigelegt sind. Da wundert man sich beispielsweise, warum es der munter galoppierende Country-Rock „Will You Dance, Charlie Boy“ nicht auf die reguläre Platte geschafft hat. Warum nicht die geigenverzierte Folk-Elegie „I Found A Stray“?
Am Ende registriert man erleichtert: Thompson ist von Altersmilde immer noch so weit entfernt wie Ulrich-Seidl-Filme von Mitleid. Allein seine Stimme, die im Alter immer mehr klingt, wie durch ein anglikanisches Priester­gewand gemurmelt, garantiert dafür, dass das auch künftig so bleibt.

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