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So waren Spain in Köln: Eine besinnliche Ode an die Entschleunigung

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Nur eine Treppe in den Keller trennt die Glühwein-trinkenden Weihnachtsbazarbesucher an den Bretterbuden des Stadtgartens an diesem Dezemberabend von der wirklich besinnlichen Stimmung. Die verbreitet nämlich Spain aus Kalifornien auf der Bühne des Studio 672 jenseits vom Vorweihnachtsstress: Eine besinnliche Ode der Entschleunigung.

Ein zaghaftes „Hello“ gefolgt von Schweigen. Nach etwas über einer Minute beginnt Spain ihren musikalischen Ritt auf einem alten Esel durch die Prärie auf der Suche nach dem Quell der ewigen Liebe „Everytime I try“. Schleppende Rhythmen, eine eigensinnige Mischung aus Blues-Gitarre, Jazz-Arragements und Alternative-Rock. Es ist eine gemächliche, melancholische Reise, „I could be“ führt verdächtig nah an Dire Straits – Gefilden vorbei, jedoch ohne dabei Gefahr zu laufen, wie eine Replika daherzukommen. Vielmehr ist es so, dass Spain Vorlagen liefert: Johnny Cash und Red Hot Chilli Peppers coverten ihren Song “Spiritual“, und feierten Erfolge damit.

Soviel Popularität ist Spain fremd – wesensfremd – möchte man fast meinen; betrachtet man die fünf zurückhaltenden Kerle auf der Bühne. Mitte der 90er Jahre gründete Josh Haden, Sohn des legendären Jazz-Bassisten Charlie Haden, die Band, die für die nächsten Jahre unter Musikliebhabern exemplarisch für das Genre des Slowcores stehen sollte. Dennoch, der ganz große Durchbruch wollte ihnen, trotz illustrer Fangemeinschaft und reichlich Kritikerbeifall auch nach dem dritten Album nicht gelingen. So ruhte die Band ein paar Jahre lang und meldete sich im Mai diesen Jahres in neuer Besetzung mit „The Soul of Spain“ (Glitterhouse) zurück.

Vielleicht ist es humoristische Bescheidenheit, wenn Frontmann Josh Haden an diesem Abend über Erfolg spricht: „This is the last day of our tour through Europe. It’s been a very successful tour since nobody got food poisoning“ . Köln ist die letzte Station der Tour, die Gefahr einer Lebensmittelvergiftung scheint gebannt zu sein. In diesem Sinne eine erfolgreiche Tour auch, wenn mehr drin sein sollte.

Die musikalische Seele ist gleichgeblieben, Spain groovt eher, als das es rockt. Haden singt lakonisch von großen Gefühlen, dazu lange, psychedelisch angeschlagene Instrumentalsoli, ohne jedoch esoterisch daherzukommen. Nie übertrieben, nie wehmütig, sondern aufrichtig und besinnlich. Es verwundert daher auch nicht, dass das Publikum sich wohlig zufrieden im Takt wiegt und der Beifall, trotz überschaubarer Anzahl Hände nicht abreißen will.

Draußen tobt Weihnachtsirrsinn mit bunten Lichterketten und Rostbratwürsten, drinnen lauschen ein paar wenige Junge und deutlich mehr Ältere andächtig der Zugabe: „ Jesus, Jesus, all my troubles, all my pain, will leave me once again“ („Spiritualized“). Ja, ein Kreis schließt sich und Weihnachten steht vor der Tür!

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