Vinyl von Wolfgang Doebeling


Elvis Presley ****1/2 Rocks On

Das holländische Label Vinyl Passion manifestiert seine Leidenschaft auf höchst widersprüchliche Weise. Einerseits setzt man auf gediegene Wertigkeit, indem weder bei Pressungen noch bei Covers geknausert wird, andererseits basiert das Direct Metal Mastering auf digitalen Quellen. Das schafft flache Transparenz, vernichtet Raum und verhindert ein authentisches Erleben dieser historischen Aufnahmen. 40 sind es, verteilt auf zwei LPs, allesamt mitreißend, von „Jailhouse Rock“ bis „Good Rockin‘ Tonight“. Immens partytauglich wie schon die anderen in dieser Rock’n’Roll-Serie erschienenen LPs von Cliff Richard und Chuck Berry, jedoch in Sachen Audiophilie nicht satisfaktionsfähig. (Vinyl passion)

The Supremes & The Tempations HHH Diana Ross & The Supremes Join The Tempations

Hier verhält es sich umgekehrt: Das rein analoge Mastering genügt hohen Ansprüchen, das Klangbild ist ein Genuss, doch was abgebildet wird, reißt musikalisch kaum vom Hocker. Tamla Motown war 1969 längst defloriert, an die Stelle unschuldigen Überschwangs war sittsame Sophistication für Entspannung suchende Erwachsene getreten. Von Marvin Gayes „Try It Baby“ geht noch Gefahr aus, wenn sich Melvin Franklins brünstiger Bass am Sopran von Diana Ross reibt, ansonsten lenkt hier wenig ab von Small Talk und Cocktailschlürfen. (speakers Corner)

Graham Nash ****1/2 Songs For Beginners

Das von Bernie Grundman besorgte neue Mastering von den 71er-Original-Tapes definiert sauber, ohne an Druck und Dichte einzubüßen, und Nashs emphatischen Songs verschließen kann sich eh nur, wer extrem allergisch auf leicht gezuckerte Melodien und aufrechten Polit-Aktivismus reagiert, „Gutmensch“ für ein Schimpfwort hält und weder ein Faible hat für die Hits der Hollies noch für die Harmonies von Crosby, Stills & Nash. Zyniker halt. (warner Bros./Rhino)

Manassas ***1/2 Pieces

Zu hören sind 15 Outtakes und Alternativ-Versionen jener fulminant eklektischen und leider kurzlebigen Band, die Stephen Stills 1971 mit Chris Hillman gründete und deren zwei reguläre Studio-LPs mannigfache Meriten aufzuweisen haben. Vor allem das Debüt-Album, ein doppeltes, nun vom selben Label ebenfalls wieder aufgelegt in vorzüglicher Aufmachung samt Grundman-Mastering und Gatefold-Cover, sei dringend empfohlen. (warner bros./rhino)

Stone The Crows ***  Live In Montreux

Man muss Maggie Bell live erlebt haben, weil sich die Urgewalt dieser Sängerin im Studio nur schwer bannen ließ. Und weil der oft etwas bemühte Blues-Rock ihrer Band Stone The Crows auf der Bühne durchaus Spannung erzeugte. Dieses Live-Dokument vermittelt mehr als eine Ahnung davon, und das Festival-Publikum weiß es hörbar zu schätzen. (Sireena/Broken Silence)

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