111 Songs: Klaus Hoffmann – „In meinem Kiez“


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Unter den deutschen Sängern und Songschreibern ist er ein Solitär: Chansonnier und Sentimentalist, Poet und Charmeur, Sensualist und Erotiker. Klaus Hoffmann stammt aus dem alten Westen von Berlin; niemand hat seiner Heimat so viele Lieder gewidmet wie er. Der geliebte Vater war schwach und krank und starb früh, auf Fotos erkennt man in seinem Gesicht den Sohn; die Mutter arbeitete tapfer, lebte dann mit einem anderen Mann, und Klaus, der eine Lehre begann, verzweifelte in der kleinen Wohnung. Er entdeckte die Gitarre, lernte ein paar Griffe, war fasziniert von Dylan und imaginierte die ersten Texte und Melodien. Hoffmann zog durch die Berliner Clubs, fand Gönner und spielte für kleines Geld. Er war ein Unpolitischer, wollte sich nicht prügeln, lebte auf Sylt wie ein Hippie, gefiel den Frauen, genoss die Liebe, unternahm die obligatorische Abenteuerreise in den Orient und kam, abgemagert und mittellos, zurück.

Sein erstes Album erschien 1975 mit dem Bild des blendend schönen Jünglings drauf. Am Anfang belehnte Hoffmann die deutsche Folklore; bald wurden die Songs chansonhafter und erzählten – „ Westend“, „Veränderungen“, „Morjen Berlin“ – vom Leben in Deutschland und den Erschütterungen der Seele. Die Lieder von Jacques Brel gehörten schon früh zu Hoffmanns Repertoire, aber erst 1997 traute er sich an ein Album mit deutschen Interpretationen, sogar an ein Musical: „Die letzte Vorstellung“. Er bestand.

Im tiefsten Herzensgrund ist der grübelnde Melancholiker Klaus Hoffmann der romantische Sänger der Erinnerung und der Sehnsucht, die nicht vergeht: „In meinem Kiez gab es den Händler an der Ecke/ Da konnt man abends unsre Väter stehen sehn/ Da roch’s nach Zigaretten, nach Maggi und Buletten/ Und die Vergangenheit ertränkten sie im Stehn.“ 

Arne Willander