111 Songs: Modeselektor – „Black Block“


von

Als Thom Yorke 2003 im VIVA-Interview die Frage nach seiner Lieblingsband mit „There is this guy called Modeselektor – his stuff is the shit“ beantwortete, waren die beiden Berliner Jungs von Modeselektor schlagartig berühmt. Oder, besser gesagt: berühmter als vorher.

Schon in Jugendtagen schraubten Gernot Bronsert und Sebastian Szary zusammen an elektronischer Musik, erst im selbst gezimmerten Party-Keller, dann auf selbstorganisierten Feten in Berlin. Für ihre erste Veröffentlichung auf BPitch Control brauchten sie angeblich ewig, doch Labelchefin Ellen Allien ließ ihnen die Zeit, sie war wohl ähnlich überzeugt von den beiden wie der Electro-Fanboy von Radiohead. Mittlerweile hat das Duo drei Studio-Alben und etliche Remix-Arbeiten zustande gebracht und dafür mit internationalen Gästen wie TTC, Maxïmo Park und eben auch Thom Yorke zusammengearbeitet.

Wie viele Modeselektor-Tracks klingt auch „Black Block“, als würde sich eine Torpedoschraube durch die Gehörgänge fräsen. Und wenn der letzte Takt abflaut und die Sound-Kurve in einem letzten zitternden Pixel unter die horizontale Linie der Stille gefallen ist, weiß man auch, warum Modeselektor den Ruf haben, live so eine Macht zu sein: So genial und simpel zum Abgehen anstacheln kann nicht jeder.

Und es gibt auch nicht viele, die derart auf dem Boden geblieben sind wie Szary und Bronsert. Man muss ihnen den Erfolg einfach gönnen: zwei lustige Jungs mit Freude am Bass, ein eingespieltes Team, das sich, ohne sich in irgendeiner Weise für den breiten Berliner Akzent zu schämen, ganz selbstverständlich auf internationalem Parkett bewegt. Zusammen haben sie den deutschen Techno ins neue Jahrtausend getragen und vom ewigen Vorurteil befreit, dass elektronische Musik der Klang der Zukunft sein müsse. Denn wen kümmert schon die Zukunft, wenn das hier jetzt gerade so schön ballert?