111 Songs: Udo Lindenberg – „Biochemon“

Wie bei vielen Musikern der 80er-Jahre-Deutschrock-Ära gehört auch bei Wolf Maahn eine Menge Standhaftigkeit dazu, will man ihn in Debatten mit haupt- oder nebenberuflichen Musikauskennern verteidigen. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen ist da Maahns deutlich spürbarer Wille, ein deutscher Soul-Rocker zu sein, was zwangsläufig für Spott sorgen muss. Zum anderen hatte der gebürtige Berliner häufig die Neigung, sich unter Vernachlässigung jeglichen Stilgefühls für die gute Sache stark zu machen: Sein an Tears For Fears angelehntes „Tschernobyl (Das letzte Signal)“ rangiert mit seinem spektakulär gereimten Refrain noch heute ganz weit oben in der Hitliste der eher diskutablen Protestlieder. Auf seinen vier Alben mit Wolf Maahn & Die Deserteure aber, die zwischen 1982 und 1986 entstanden, finden sich zahlreiche Perlen.

Maahns Thema ist die Angst vor der schleichenden Verspießerung, die er in Songs wie „Stadt der Waschmaschinen“, „Der Königsdorf Tango“ oder „Es ist noch so weit“ besang. Der Songwriter und Produzent, der als Teil der Achtziger-Köln-Mafia die Alben von u. a. Klaus Lage oder Purple Schulz betreute, konnte aber auch unpeinliche Hymnen wie „Deserteure“ oder „Fieber“ schreiben. Am besten ist Maahn jedoch als Sänger von Liebesliedern. Sein schönstes findet sich auf dem letzten Deserteure-Album, „Kleine Helden“, und trägt den Titel „Ich wart’ auf dich“: Bruce Springsteen, Robert Palmer und Bryan Ferry spielen im Feinripp-Unterhemd Karten, es knistert vor Spannung, und Maahn singt reimlos vom Malocher, der den ganzen Tag auf sein Mädchen wartet: „Ich bin müde, und ich wünsch mir jetzt dein Kleid voller Leben/ So möchte ich dich eine Zigarette rauchen sehen/ Um dann müde in dich zu kriechen.“ Maahn weiß selbst, wie gut der Song ist, er spielt ihn nämlich bis heute.

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