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7 unvergessene Open-Air-Momente der Musikgeschichte

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7 unvergessene Open-Air-Momente der Musikgeschichte

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1. Queen und Phil Collins, Live Aid, 1985

Bis heute der Maßstab aller Charity-Konzerte: Am 13. Juli 1985 organisierten Bob Geldof und Midge Ure Veranstaltungen im Londoner Wembley Stadium und im JFK Stadium in Philadelphia; bei den zeitgleichen Konzerten, insgesamt 16 Stunden lang, versammelte sich eine bis dato nie gesehene Zahl von Stars, die zu Spenden für die Hungerhilfe in Äthiopien aufriefen. Knapp zwei Milliarden Menschen in 150 Ländern schauten zu. Queen, U2, Bob Dylan, Madonna, Mick Jagger, Paul McCartney, David Bowie, Sting, die Beach Boys, Tina Turner, The Who, Led Zeppelin, George Michael, sogar Paul Weller und Elvis Costello waren dabei. Phil Collins bestieg nach seinem Auftritt in London die Concorde, um sich auch in Philadelphia ans Klavier setzen zu können und nach dem britischen „Against All Odds (Take A Look At Me Now)“ auch ein amerikanisches „In The Air Tonight“ zu spielen. Die denkwürdigeren Momente haben sich dabei eindeutig in London abgespielt. Viele Fans und Kritiker loben das Mini-Set von Queen: Ein aufwändig einstudiertes Quasi-Medley aus sechs Songs in 20 Minuten.

https://www.youtube.com/watch?v=A22oy8dFjqc

2. Nirvana, Reading Festival, 1992

Der Mann, der nicht alt werden sollte, wurde als Mündel mit Krankenhemd im Rollstuhl auf die Bühne geschoben. Nach diesem schlechten Witz haute Kurt Cobain die Songs von „Bleach“ und „Nevermind“ aus der Gitarre, die unter seinen Händen zum Marterinstrument und zur Traummaschine wurde: Bei allem Lärm gibt es kaum schönere Songs als „In Bloom“, „Come As You Are“, „Lithium“. Nirvana waren Superstars und führten das Glastonbury-Programm an; ein Jahr früher hatten sie für einige hundert Leute gespielt, nun waren ungefähr 60.000 im Publikum – das Gelände sah schier endlos aus. Kurt bat um einen Gruß für die von der Presse schlecht behandelte Courtney Love, und die Zuhörer murrten ohne Überzeugung ihren Namen. Am Ende zerlegte Dave Grohl planlos sein Schlagzeug, während Cobain mit den Rückkopplungen gar nicht mehr aufhören wollte. Auftritt und Musik hatten, man muss es nicht sagen, eine ungeheure Zerstörungswut – aber man hört bei den glücklicherweise erhaltenen Aufnahmen auch, wie grandios Grohl, Chris Novoselic und Cobain diese elementare Rockmusik spielten. Als wollten sie die Welt zersägen.

https://www.youtube.com/watch?v=_TfxqRiMepI

3. David Bowie, Hurricane Festival, 2004

Schon vor dem Set soll er über Schmerzen im Rücken geklagt, sich einen Arzt bestellt haben, trotzdem zog David Bowie seinen Auftritt beim Hurricane Festival pflichtbewusst durch. Erst nach dem Auftritt wurde im Krankenhaus dann eine blockierte Herzarterie diagnostiziert. David Bowie erlitt einen Herzinfakt. So bleibt sein Gig am 25. Juni 2004 sein bis heute letztes Konzert. Die weiteren Auftritte der „Reality“-Tour wurden im Abschluss an die Arztdiagnose gestrichen. Und Bowie zog sich fürs Erste aus der Öffentlichkeit zurück. Kleinere Live-Gastauftritte gab es dennoch, so kam er ab 2005 unter anderem zu Arcade Fire auf die Bühne.

https://www.youtube.com/watch?v=xeYaJlRDQAc

4. The Rolling Stones, Altamont, 1969

Es war das Ende der Unschuld“, sagt Grateful-Dead-Schlagzeuger Mickey Hart über das Umsonst-und-Draußen-Festival am Altamont Raceway in der Nähe von San Francisco, mit dem 1969 die US-Tour der Rolling Stones endete. „Alles, was schiefgehen konnte, ging schief. Es war die Hölle auf Erden, wirklich.“ Und als am Ende die 300.000 Besucher vom Festivalgelände stolperten, waren vier Fans tot und hunderte verletzt. Die Sixties hatten ihre hässliche Seite enthüllt. Die Idee war ein Gratiskonzert, organisiert von den Stones und den Grateful Dead, dazu mit Crosby, Stills, Nash & Young, den Flying Burrito Brothers, Santana und Jefferson Airplane. Auf Empfehlung der Dead engagierten die Stones Mitglieder der Hell ’s Angels als Ordner. Über 300 Biker wurden mit Alkohol im Wert von 500 Dollar bezahlt. Die Rolling Stones warteten mit ihrem Auftritt bis zum Einbruch der Dunkelheit. In der zweistündigen Pause wurde im Publikum gegen die kühlen Temperaturen Feuer aus Müll angezündet, so dass es buchstäblich zum Himmel stank, als Jagger & Co endlich auf die Bühne kamen und mit ,Jumpin‘ Jack Flash“ begannen. Es folgte „Carol“, dann „Sympathy For The Devil“, das sie abbrechen mussten, als eine Schlägerei ausbrach. Die Hell’s Angels gingen auf einen 18-jährigen Schwarzen namens Meredith Hunter los, der angeblich mit einer Pistole hantiert hatte. Große Teile des Tumults wurden für die Tourdoku „Gimme Shelter“ gefilmt. Während die Stones „Under My Thumb“ spielten, traten und stachen die Angels auf Hunter ein, bis er tot war. Sonny Barger, Präsident der Oakland-Abteüung der Hell’s Angels, behauptete später, die Biker hätten die Stones lediglich beschützt und seien erst handgreiflich geworden, als einzelne Fans die Harleys vor der Bühne umgeworfen hätten. Eine Jury in San Francisco sprach den des Mordes angeklagten Angel Alan Passaro später frei. Aber die Wunde, die dieser Tag riss, heilte nie.

https://www.youtube.com/watch?v=ShLJnqMg__s

5. Chuck Berry, Newport Jazz Festival, 1958

Angeblich rauschte der Rock’n’Roll-Oberschlawiner im lila Cadillac in Rhode Island ein – und rüttelte gewaltig an der Sommerfrische-Ordnung, die in Newport damals herrschte. Vier Jahre nach der ersten, von Rassisten attackierten Ausgabe des fast nur von afroamerikanischen Musikern bespielten Festivals zogen sich schon neue Gräben durchs Publikum: saturierte Jazzhörer gegen wilde Tollenträger, die ihre Hips schüttelten, als Berry die Bühne einnahm. Die konsternierten Gesichter seiner mit Posaunen und Klarinetten bewaffneten Begleitmusiker sagten alles.

https://www.youtube.com/watch?v=Ud8peXosPLg

6. Bob Dylan, Newport Folk Festival, 1965

Es waren nicht die elektrische Gitarre oder die Blues-Band, nicht die enorme Lautstärke oder die Lederjacke des Sängers, es waren nicht die Kürze des Auftritts oder der Inhalt der Songs, die die Leute beim Auftritt von Bob Dylan und der Paul Butterfield Blues Band in Rage versetzten. Es war die Haltung, die hinter all dem steckte. „I ain’t gonna work on Maggie’s farm no more“, sang Dylan zu Mike Bloomfields mächtigen Riffs und deutete den alten Folksong „Down On Penny’s Farm“ zur eigenen Unabhängigkeitserklärung um. Er ging nicht länger vom Kollektiv aus, sondern von sich selbst, dem entfremdeten Individuum, „with no direction home, in the complete unknown“. Um die Menge zu besänftigen, kam Dylan zur Zugabe noch einmal allein mit der akustischen Gitarre zurück. Doch er kam nicht als Protestsänger oder Klassensprecher einer Genera- tion, er kam, um zu zeigen, dass er nun ein anderer war.

https://www.youtube.com/watch?v=G8yU8wk67gY

7. The Beatles, Shea Stadium, 1965

Es ist eines der berühmtesten Konzerte der Pop-Geschichte. Und das, obwohl niemand etwas gehört oder gesehen haben kann. Die Beatlemania hatte ihren Höhepunkt erreicht. 55.000 kreischende Fans warteten auf den Rängen auf John, Paul, George und Ringo. Die bandeigenen state-of-the-art 100-Watt-Verstärker reichten für die Beschallung des weiten Runds nicht aus, doch auch die Stadion-Sprechanlage war überfordert. Der Geräuschpegel war enorm. Mädchen kreischten, weinten, wurden ohnmächtig weggetragen. Georges Augen wurden angstweit, Paul genoss den Trubel, Ringo blieb stoisch, John richtete Dada-Monologe ans Publikum, bearbeitete seine Orgel mit den Ellenbogen und lachte irre. Aus dieser surrealen Szenerie wurde der Stadionrock geboren.

https://www.youtube.com/watch?v=phWVka0ZOhM
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  • krieglich

    Es heißt “Hells Angels”, der Clubname enthält kein Apostroph.