Unsere 20 Lieblingsalben der 80er: „You Can’t Hide Your Love Forever“


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Frustrierend für die Epigonen, sich das einzugestehen, aber so gut wie alles, was der Indie-Pop der Welt zu geben hatte, war schon in diesem Urtext des Genres vollständig ausformuliert. Die von Glasgows größtem Ästheten, Edwyn Collins, angeführte Viererbande Orange Juice hatte sich zwar bereits von dem mit Minimalbudget produzierten „Sound of Young Scotland“ des Postcard-Labels gelöst und beim Major Polydor unterschrieben. Aber wie das Remake ihrer ersten Single, „Falling And Laughing“, als Eröffnungsstück gleich klarstellt, klimpern die Secondhand-Gretsch-Gitarren hier immer noch genauso erfrischend billig, wie sie damals zu haben waren – als „Vintage“ noch ein von niemandem außer Weinkennern gebrauchtes Wort war.


Rückblickend scheint offensichtlich, wie viel sich ein junger Morrissey an Edwyn Collins’ kehligem Gesangsstil und seinem Trick der lyrischen Selbstbescheidung abgeschaut haben muss. Aber bei all ihrer furchtlosen Neigung zu Rock’n’Roll-fremd literarischem Vokabular waren Orange Juice nie zwanghaft originell. Sie spotteten vielmehr der vorgeblichen Geschichtslosigkeit der gerade verpufften (Post-)Punk-Ära, indem sie augenzwinkernd mit Retro-Referenzen um sich warfen, vom Jonathan-Richman-Zitat im Albumtitel über das gewagte, aber gelungene Al-Green-Cover „L.O.V.E. Love“ bis hin zur Frisur des Ich-Erzählers in „Consolation Prize“. Vergeblich hat dieser versucht, seine Angehimmelte mit „Stirnfransen wie Roger McGuinn“ zu beeindrucken – seine fürchterliche Campness brachte sie nur zum Lachen. „Tomorrow I’ll buy myself a dress/ How ludicrous“, singt Collins trotzig und erschafft dabei den Archetyp des maskuline Normen verweigernden Indie- Boys („I’ll never be man enough for you“).

Leute wie Go-Between Robert Forster, Evan Dando und Kurt Cobain sollten Jahre später seinem Ruf folgen und tatsächlich in Kleidern auftreten. Unzählige Indie-Bands wiederum orientierten sich seither am Klang dieser, wie es im unsterblichen „Dying Day“ so schön heißt, „sweetest music to my ears“.

 

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