Ärger für den Sultan im Hotel California: Hollywood boykottiert das Beverly Hills Hotel des homosexuellenfeindlichen Besitzers


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Wie hieß es noch mal im Eagles-Song “Hotel California”? “Plenty of room at the Hotel California…any time of year…you can find it here…” Wenn es nach Hollywoods Establishment geht, ist bald noch mehr Platz in dem Hotel, dessen Fassade das Cover des Eagles-Albums von 1976 ziert: Bekannte Persönlichkeiten wie Jay Leno, Sharon Osbourne, Ellen DeGeneres und Richard Branson rufen derzeit zum Boykott des Beverly Hills Hotels auf.

Hintergrund: Der Eigentümer des Hotels, Sultan Hassanal Bolkiah von Brunei, verabschiedete im letzten Jahr einen Drei-Stufen-Plan zur Einführung barbarischer Scharia-Gesetze in seinem Land, von der Amputation der Hände von Dieben bis hin zur Steinigung von Ehebrechern und Homosexuellen. Die erste Stufe des Plans trat am 1. Mai in Kraft, seitdem gehen Aktivisten auf die Barrikaden. “Wir schreiben das Jahr 2014 – nicht 1814”, empörte sich Jay Leno bei einer Demonstration vor dem Hotel, und Virgin-Boss Richard Branson twitterte: “Kein Virgin-Mitarbeiter und kein Mitglied meiner Familie wird in einem Dorchester Hotel (The Dorchester Collection ist die Mutterfirma, zu der auch das Beverly Hills Hotel gehört, Anm.) übernachten, solange der Sultan nicht die grundlegenden Menschenrechte beachtet.” Auch Ozzy Osbournes Ehefrau Sharon, TV-Moderatorin Ellen DeGeneres und der britische Schauspieler Stephen Fry riefen per Twitter zum Boykott der Dorchester Collection auf, zu der außer dem Beverly Hills Hotel das Londoner Dorchester, das Plaza Athénée in Paris und das Hotel Bel-Air in Los Angeles gehören.

Christopher Cowdray, Geschäftsführer der Dorchester Collection, antwortete auf die Kritik in einem Statement: “Wir erkennen die Bedenken an, denken aber, dass sich ein Boykott nicht gegen unsere Hotels und deren engagierte Angestellte richten sollte…man muss das aus einer globalen Perspektive heraus betrachten…heute weiß doch kaum noch jemand, welcher Investor hinter welcher Marke steckt, angefangen vom Benzin das wir tanken bis hin zu den Kleidern die wir tragen…eine Menge amerikanischer Firmen werden von ausländischen Investoren und Staatsfonds finanziert.”

Kein wirklich starkes Argument, denn zumindest die Zahl der legal ausgewiesenen ausländischen Investoren, die offiziell Homosexuelle zu Tode steinigen, dürfte hoffentlich gen Null gehen. Eine gewisse Blauäugigkeit darf man Hollywoods Aktivisten dennoch vorhalten: so enthüllte die Website „The Daily Beast“, dass Prinz Azim, der älteste Sohn des 20 Milliarden Dollar-schweren Sultans, einer der bekannteren Playboys Hollywoods ist (er flog mal kurzerhand Mariah Carey für drei Songs zu seiner Silvesterparty ein) und im letzten Jahr gleich zwei Hollywood-Filme produzierte, die noch 2014 erscheinen sollen: “You’re Not You” mit Emmy Rossum und Hilary Swank und “Dark Places” mit Charlize Theron.

Ob und inwieweit der Aufruf zum Boykott Früchte tragen wird, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die goldenen Zeiten des Beverly Hills Hotel, in dem einst Marilyn Monroe und Howard Hughes wohnten, Joan Crawford schwimmen lernte und in dessen Polo Lounge Hunter S. Thompson sein in “Fear and Loathing in Las Vegas” beschriebenes Abenteuer plante, sind eh Vergangenheit. Was bleibt, sind ein schönes Plattencover – und ein fader Nachgeschmack.