Aus dem Drogensumpf gezogen


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Als Keane das letzte Mal Rede und Antwort standen, lautete die Botschaft ungefähr so: Wir sind durch eine schwere Zeit gegangen, aber jetzt geht es uns gut. Keane hatten den schnellen Ruhm nicht gut verkraftet und waren etwas untergegangen. Sänger Tom Chaplin hatte mit der englischen Presse zu kämpfen, die sich über alles lustig machte, vom weinerlichen Gesang bis zum Körpergewicht. Insgesamt verloren die drei Freunde den Boden unter den Füßen, und das zweite Album, „Under The Iron Sea“, wurde zum Krampf.

„Es war Wunschdenken zu meinen, dass wir unsere Probleme allein deshalb im Griff hätten, weil wir angefangen hatten, über sie nachzudenken“, sagt Chaplin im Rückblick, „tatsächlich ging es danach erst richtig los.“ Chaplin meint damit seine im Herbst 2006 deutlich zutage tretenden Drogenprobleme, die ihn schließlich dazu brachten, sich selbst in eine Entzugsklinik einzuweisen.

„Dass ich gesagt habe, Schluss, es geht nicht weiter, hat uns allen die Chance gegeben, aus unserer Druckkammer herauszukommen und zu sagen, was uns nicht passt. Im Rückblick kommt es mir so vor, als wäre unser Leben damals von anderen Personen gelebt worden. Und miteinander sprechen konnten wir sowieso nicht mehr.“ Dass jetzt wirklich alles besser ist – nun, das kann man Chaplin nur glauben.

Immerhin bestätigt die neue Musik die Beteuerungen der Band. Während „Under The Iron Sea“ ein düsteres, unter den Keyboard-Spuren verschüttetes Album war, ist „Perfect Symmetry“ leicht, feierlich, fast energiegeladen. Genau wie vor zwei Jahren gibt es eine Art inhaltliches Konzept – es geht vordergründig um die Menschheit, um unsere Möglichkeiten und unser Versagen. Tatsächlich geht es aber vor allem um Keane.

„Wir hatten unglaublich viel Spaß bei der Produktion“, bestätigt Chaplin, „das ist für uns etwas Besonderes- wir nehmen immer alles so schrecklich ernst. Ein wichtiges Thema war, nicht zu ciel nachzudenken und alles intuitiv zu tun.“

Jörn Schlüter