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Eric Pfeils Pop-Tagebuch

Björn, Bowie und ich


von

Wenn ich heute auf Tour gehe, werfe ich meinen Krempel in meinen roten Kleinstwagen, und los geht’s. Alleinreisen birgt Vorteile: Man streitet mit niemandem über die Musikauswahl im Cockpit. Weitere Vorteile fallen mir sicher später noch ein, ich reiche sie dann nach. Der Nachteil am Alleinreisen ist vor allem das Alleinreisen. Gelegentlich schweifen die Gedanken während des Kilometerabreißens oder beim solitären Herumsitzen in Backstage-Räumen schon mal ins Melancholische, manchmal schweifen sie auch weit darüber hinaus.

Bevor es zu trübsinnig wird, schreibe ich lieber über Plattenaufnahmen. Auch mein zweites Werk wurde vom Wunderproduzenten Ekki Maas betreut. Meine Vorstellung, dass man Platten in der Regel spätnachts und im Vollrausch aufnimmt, derweil auf den Ledercouchen im Control-Room spärlich bekleidete Schönheiten und lokale Szene-Impresarios herumlümmeln, wurde bald enttäuscht. Ekki Maas arbeitet am liebsten ab halb neun in der Früh, eine Uhrzeit, zu der ich noch aussehe wie misslungene abstrakte Kunst. Aber meistens saßen wir ohnehin nur rum und führten die eingangs erwähnten Musikergespräche.

Das Schönste am Dasein als Indie-Rocker sind die Interviews, die man gibt. Meine Lieblingsfrage: „Was würdest du denn über dein
eigenes Album schreiben?“ Das tollste Interview meines Lebens gab ich mal einem Frankfurter Radiosender via Live-Schalte am Telefon. „Und jetzt freue ich mich auf meinen Interviewpartner Eric Pfeil“, flötete die Moderatorin. Und fuhr fort: „Eric, du hast … Jetzt hab ich den Faden verloren.“ Er wurde dann auch nicht wiedergefunden.

Björn Sonnenberg hielt seine Tasse Bitter-Likör gegen die Sonne, als wollte er prüfen, ob sie richtig gespült war. „Ach, weißt du was, Eric? Vielleicht hast du recht und schreibst doch besser über etwas anderes.“



Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Wiedergehörte 80er-Indie-Platten for young lovers

Folge 211 Jeremy Gluck with Nikki Sudden & Rowland S. Howard – I Knew Buffalo Bill (1987) https://www.youtube.com/watch?v=w-CbnCSSjQU&list=PLAZzd-mGlQ36htjCrN7xV9Sd5FHbVBwKB Sechs Jahre nach dem Ende seiner kurzlebigen Surf-Punk-Band The Barracudas konnte der kanadische Nichtsänger Jeremy Gluck für sein erstes Solo-Album eine illustre Unterstützerschar zusammentrommeln: Mit Nikki Sudden, dessen Bruder Epic Soundtracks, Rowland S. Howard und Jeffrey Lee Pierce wusste Gluck  die führenden Köpfe einer ultracoolen Indie-Clique hinter sich, die aufs Schönste im Niemandsland zwischen Noise-Blues, romantischem Rock’n’Roll und Post-Punk herumwilderte. Das „Wild Horses“-Gedächtnisgeschrammel Nikki Suddens trifft hier wiederholt auf Rowland S. Howards und Jeffrey Lee Pierce’ Noise-Blues-Exzesse – stets mit Gewinn, wie…
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