Bono über die „Hüter des geistigen Eigentums“


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„Achtung! Der einzige Faktor, der die Film- und Fernseh-Industrie bislang davor schützt, das gleiche Schicksal wie das Musik- und Print-Geschäft zu erleiden, ist die Größe der digitalen Datei. Aber die unabänderlichen Gesetze der Bandbreite führen zwangsläufig zu der Feststellung, dass wir schon in wenigen Jahren in der Lage sein werden, eine ganze Staffel von ’24‘ in 24 Sekunden herunterladen zu können. Und viele erwarten, dass sie das kostenlos können.

Nach einer Dekade des grenzenlosen Downloads wissen wir, dass die Kreativen die Leidtragenden sind – in diesem Fall die jungen, aufstrebenden Songschreiber, die eben nicht von Ticket- und T-Shirt-Verkäufen leben können wie einige der weniger sympathischen Kollegen unter uns. Die Leute, die von diesem pervertierten Robin Hooding profitieren, sind die lachenden Provider, deren Taschen sich im gleichen Maße füllen, wie die Erträge des Musikgeschäfts schwinden.

Sie behaupten, sie seien nur das Postamt: Wie könnten sie wissen, was sich in den braunen Paketen befindet, die sie transportieren? Aber wir wissen durch die unterstützenswerten Versuche, die Kinder-Pornografie im Netz zu unterbinden – von den nicht unterstützenswerten Versuchen in China, den politischen Dissenz mundtot zu machen, ganz abgesehen -, dass es sehr wohl möglich ist, die Wege der Web-Inhalte zu verfolgen. Vielleicht werden die Film-Mogule schaffen, was den Musikern und ihren Mogulen versagt blieb, nämlich die Welt davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, die kreativste Wirtschaft der Welt zu verteidigen. (Memo für mich: Vielleicht sollte man nicht gerade überbezahlte Musiker oder Schauspieler für die Gardinenpredigt auf die Kanzel holen; eher einen jungen Cole Porter – vorausgesetzt, er ist noch nicht ins Lager der Werbe-Jingle-Produzenten abgewandert.)“

Bono in der Februar-Ausgabe des neuen Rolling Stone, der ab dem 04. Februar am Kiosk erhältlich ist. Der Text ist Teil von Bonos Beitrag „Meine Zehn Gebote“, in denen der U2-Frontmann die Ideen aufzählt, die seiner Meinung nach die Dekade prägen und die Welt verändern werden.