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Bruce Springsteen: Die besten Veröffentlichungen aus der „Archive Series“ (10): Schottenstein Center, Columbus, Ohio, 31/7/2005


Alles, nur keine Hits. In aller Regel kein „Born To Run“. Kein „Thunder Road“. Und, Gott bewahre, kein „Born In The U.S.A.“. Von wegen: Crowdpleaser.

Allein das hier vorliegende Konzert aus Columbus, Ohio, beginnt mit zwei Songs, die jeglichen casual Besucher, der an dem Abend aus Versehen in das Schottenstein Center geraten ist, sofort aus der Kurve hauen müssen. Als Opener („This is obscure!“) singt Springsteen im überaus gewöhnungsbedürftigen Falsett-Stil das bislang noch nie und danach auch nie wieder gespielte „Lift me up“ vom Soundtrack für John Sayles’ Film „Limbo“ (1999). Als nächstes haut er den armen Leuten vor ihm eine stiefelstampfende, bis zur baren Unverständlichkeit Vocoder-stimmverzerrte Delta-Blues-Zumutung des „Nebraska“-Schlusstracks „Reason to believe“ um die Ohren, wie man sie eher einem Tom Waits mit besonders schlechter Laune zuordnen würde.

Zehn Jahre zuvor war Springsteen mit einem Haufen Akustikgitarren zum düsteren, gleichfalls ohne die E-Street-Band sanft countryesk arrangierten Storytelling-Album„The Ghost of Tom Joad“ durch die Lande gezogen. In dieser Zeit entstehen auch die meisten Songs, die erst 2005 auf „Devils & Dust“ erscheinen werden. Einige spielen wieder im Westen, handeln von Flüchtlingen, von verlorenen Seelen, von Drogendealern. Andere besingen Mutter-Kind-Verhältnisse. „Reno“ erzählt von einem irgendwie ziemlich traurigen Huren-Besuch, es gibt darin, eine echte Rarität in Springsteen-Songs, eine überaus explizite Arschfick-Referenz, die ihm erstmals auf dem „Devils & Dust“-Cover einen Warnsticker für besorgte Elternbürger einbringt.

Anders als auf„The Ghost of Tom Joad“ sind aber auf „Devils & Dust“ auch zwei, drei arglos luftige Liedchen darauf. Das Titelstück, eine beklemmend großartige, politisch überaus explizite Moritat eines Soldaten im Irakkrieg, ist eines der wenigen wirklich neu geschriebenen Stücke (die E Street Band hat sich auf der vorherigen „The Rising“-Tour mal in einem Soundcheck an einer Frühversion davon versucht).

Mit der Kettensäge durchs Publikum

Es ist klar, mit diesen Songs wird er die E Street Band nicht mit auf Tour nehmen. Springsteen probt zunächst mit einer kleinen Backing Band, Nils Lofgren ist auch dabei, aber dann entscheidet er sich doch für eine Solotour. Anders als 1995 aber verlässt er sich nicht ausschließlich auf seine unterschiedlich gestimmten Gitarren. Wie weiland 1990 bei den Christic Shows und viel später im Walter Kerr Theater am Broadway steht auf der Bühne ein Klavier, auch elektrisch verstärkte Gitarren kommen zum Einsatz. Im Laufe der Tour musiziert sich Springsteen mit erstaunlicher Unbekümmertheit durch eine Vielzahl von teils ungewohnten, teils nachgerade obskuren Musikinstrumenten. Ein E-Piano, das er auf Ebay geschossen hat. Banjo, Ukulele, Zither. Eine Pumpenorgel. Und off-stage fügt Alan Fitzgerald dezent ein bisschen Keyboard-Atmo hinzu.



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