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Aus dem Off (5)

Corona-Tagebuchnotizen von Arne Willander: Eric Rohmer

Rohmer auf DVD

Drei Dinge, die man von Rohmers Filmen weiß: Es wird immerzu geredet, es sind schöne Frauen zu sehen, und die Akteure wurden im Lauf von Rohmers Schaffen immer jünger, während er naturgemäß älter wurde.

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Eric Rohmer studierte Literatur in Paris, schrieb als junger Mann, da hieß er noch Jean-Marie Schérer, einen Roman, wurde 1944 Lehrer, verfasste bald Filmkritiken und mit Claude Chabrol ein Buch über das Kino von Alfred Hitchcock, wurde für wenige Jahre Chefredakteur der „Cahiers du Cinema“, inszenierte 1959 seinen ersten Spielfilm, noch ohne Zyklus, gründete mit Barbet Schroeder eine Produktionsfirma und drehte dann monomanisch seine Gesellschaftsfilme.

Theatralische Dialoge, keine filmischen Finessen

Durch alle Zyklen behielt er den unvoreingenommenen, wie beiläufigen, aber durchaus indiskreten Blick auf die Menschen, die Kamera stets beweglich in Halbdistanz, ohne filmische Finessen. Bei Rohmer agieren die Schauspieler (wenn es überhaupt welche waren – er arbeitete selten mit bekannten Mimen) ohne Manierismen an realistischen Schauplätzen, in Paris, in der Vorstadt, auf dem Land.

Rohmers ziselierte, mäandrierende Dialoge sind theatralisch, sie könnten auch auf der Bühne gesprochen werden. Fast nie spielt ein Film außerhalb von Frankreich. Doch Eric Rohmer war ein Verehrer der deutschen Klassik. Anfang der 70er-Jahre promovierte er, bald 50 Jahre alt, über Murnaus Faust-Film, und 1976 drehte er mit deutschsprachigen Theaterschauspielern „Die Marquise von O.“ von Heinrich von Kleist auf einer Burg in Franken; fürs Theater übersetzte er 1979 „Das Käthchen von Heilbronn“, ein Fiasko.

Unter den französischen Filmautoren der Nouvelle Vague, die alle Außenseiter waren, war er der Außenseiter. Rohmers Filme kosteten nicht viel, sie brauchten kaum Aufwand und hatten spätestens seit „Meine Nacht bei Maud“ (1968) eine treue Gemeinde. Manche Schauspieler sah man in eigenen seiner Filme, die meisten sah man nie wieder. All seine Filme handeln von den Formen und dem Volatilen der Liebe, die in einer Versuchsanordnung wie in den „Wahlverwandtschaften“ (aber meistens mit mehr Personal) in einem Reigen gespielt wird.



Corona-Tagebuchnotizen von Arne Willander: Murder Most Foul

An einem Jingle-Jangle-Morgen wache ich früh auf. Vögel zwitschern. Aus einer höher gelegenen Wohnung quäst HipHop in den Hinterhof. Hat die Zeit die Richtung geändert, wie es vielleicht bei David Lynch heißt? Bin ich in „Mean Streets“? In „Die Fliege“? Something‘s happening here. Am Tag zuvor veröffentlichte Bob Dylan einen neuen Song. Ist wahrscheinlich kein neuer Song. Seine letzten Lieder erschienen 2012 auf der Platte „Tempest“, danach sang er Stücke, die Frank Sinatra sang, und was ihm sonst noch gefiel. Jetzt aber bringt er das längste Stück heraus, das wir von ihm kennen. „Murder Most Foul“ dauert 16 Minuten und…
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