Das haben ABBA mit einer (möglichen) Fußball-Revolution zu tun


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Elfmeterschießen sind das Salz in der Suppe eines spannenden Fußball-Pokalspiels. Der für manche Spieler gnadenlose Endpunkt eines Spiels, das in der regulären Spielzeit keinen Gewinner gefunden hat, wird aber auch nicht ohne Grund gerne als Lotterie bezeichnet. Es gewinnt nicht immer die bessere Mannschaft – und selbst wenn vier Spieler perfekt verwandelt haben, könnte der letzte Schütze mit schlotternden Knien zum Deppen des Abends werden.

Anscheinend ist die FIFA gewillt, das Elfmeterschießen, wie es seit Jahrzehnten etabliert ist, mit einer neuen Technik spannender und gerechter zu gestalten. Bei der U17-Frauenweltmeisterschaft 2018 in Litauen wurde bereits ein neues Verfahren erprobt, das sich schlicht und einfach „ABBA“ nennt. Was nun hat die schwedische Band um Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid mit dem Weltfußball zu tun?

Elfmeterschießen soll gerechter werden

Ganz einfach: „ABBA“ steht nicht für die durchaus fußballbegeisterte Gruppe, sondern symbolisch für zwei Teams, wobei Team A beginnt zu schießen, während Team B danach gleich zweimal dran ist, bevor wieder der Konkurrent zum Zug kommt. Das Prinzip erinnert ein wenig an das Tiebreak im Tennis. Bislang wurde stets per Münzwurf entschieden, welche Mannschaft beginnen darf. Dann ging es abwechselnd an den Punkt. Mit bisweilen bizarren Ergebnissen – man erinnere sich an das Stotter-Duell zwischen Deutschland und Italien bei der EM 2016, wo auf beiden Seiten Reihenweise Elfer vergeben wurden.

Manchmal Können, oft auch Glück: Elfmeterschießen im Fußball
Manchmal Können, oft auch Glück: Elfmeterschießen im Fußball

Doch die Münzwurfentscheidung hat einen entscheidenden, statistisch belegten Nachteil: Wer zuerst schießt, ist tatsächlich leicht im Vorteil. Der spanische Elfmeterforscher und Ökonom Ignacio Palacios-Huerta sagte dazu vor einiger Zeit in einem Interview mit der „FAZ“: Wenn es zu einem Elfmeterschießen kommt, fangt an, wenn ihr könnt. Im Durchschnitt stehen die Chancen sechzig zu vierzig für die Mannschaft, die beginnt.“

20 Prozent Vorteil

Insgesamt hat der Forscher 9.000 Elfmeter unter die Lupe genommen und dabei war deutlich zu beobachten, dass das beginnende Team pro Schuss durchschnittlich zwischen drei und sieben Prozent mehr getroffen hatte. „Nach fünf Runden resultiert das in 20 Prozent Vorteil“, so Palacios-Huerta. Die Torhüter halten zwar etwa gleich viel, aber die Schützen, die nachlegen müssen – also im Grunde verdammt sind, den Ausgleich zu schießen – knallen die Pille öfter daneben.

Möglicherweise ist der „ABBA“-Modus aber auch nur ein erster Schritt, um das Elfmeterschießen endgültig aus dem Spiel zu streichen. Marco van Basten, Ex-Holland-Star und Technischer Direktor bei der Fifa mit der Sonderaufgabe, Spielinnovationen anzuregen, brachte unlängst ein „Shoot-out“ ins Gespräch, das ähnlich wie beim Eishockey ablaufen könnte.

Demnach würden die Spieler abwechselnd aus 25 Metern Entfernung auf das Tor zulaufen und hätten dann acht Sekunden Zeit, den Torwart zu überlisten. Die Lotterie würde so zum Spektakel, das dann wirklich nur von den technisch Versiertesten gewonnen würde.

Doch egal welches System sich durchsetzen wird. Am Ende heißt es immer: „The Winner Takes It All“.

Lutz Bongarts Bongarts/Getty Images