Highlight: 9 unvergessliche Anekdoten aus dem Leben von Dave Grohl

Der letzte große Surrealist: David Lynch von A bis Z

Sex

Fernab von voyeuristischen Kategorien, die eine Betrachtung dieses Gegenstandes ganz von selbst mit sich bringen, kann man ohne Scham behaupten, dass Lynch einige der schönsten, aber auch bizarrsten Sex-Szenen der Filmgeschichte inszeniert hat. Angefangen von der Unzahl an Sex- und Geburtsakt-Metaphern in „Eraserhead“ (die in einen Traum gipfeln, in dem die Angst vor der Sexualität so bezwingend wie in noch keinem anderen Kinofilm symbolisiert wird) über die erschreckende Vergewaltigung in „Blue Velvet“, in der der von Dennis Hopper gespielte Frank Booth wie ein Tier über Dorothy Vallens (Isabella Rossellini) herfällt, bis hin zu „Mulholland Drive, in dem nicht nur lesbischer Sex für einen vermeintlichen Mainstream-Film auffällig dezent inszeniert wurde, sondern der auch (selten genug im Kino, aber längst nicht mehr so Aufsehen erregend wie in „Das Schweigen“ von Ingmar Bergman) eine Szene weiblicher Masturbation zeigt, gibt es unzählige Varianten der Sex-Darstellung.

Lynch, der in Interview mehrmals betonte, wie sehr er Sex als „Schlüssel zu einem fantastischen Geheimnis des Lebens“ betrachte, nutzt die Darstellung von Sex dabei nie nur als erotisches Reizmittel, das den ästhetischen Bedürfnissen des Publikums Rechnung trägt, sondern inszeniert mit solchen Szenen immer auch zum Teil für die Figuren qualvolle Momente, in denen die oszillierende Macht zwischen den Geschlechtern sichtbar wird. Bezwingend ist die Szene in „Lost Highway“, wenn Fred Madison (Bill Pullman) von seiner Frau Renée demütigend auf den Rücken getätschelt wird, als er im Bett versagt.

Träume

Das Kino ist eine Projektion unserer Träume. Das Kino ist (scheinbar) in der Lage, die Logik unserer Träume sichtbar zu machen. Doch den wenigsten Filmemachern gelingt es, sich ohne Klischees an die ästhetische Mimesis tatsächlicher Traumerfahrungen heranzuwagen. David Lynch hat in vielen Gesprächen darauf hingewiesen, dass er mit seinen Filmen, in denen konkrete Träume der Figuren immer wieder thematisiert und auch dargestellt werden – am schönsten wohl in „Twin Peaks“ –, eher den Techniken des Tagtraums vertraut, die seiner Meinung nach viel eher das Potential hätten, zu Wahrheiten über die eigene Biographie vorzudringen. Aber letztlich geht es in den Filmen von Lynch nicht nur darum, Traumsymbole zu entschlüsseln, sondern sich auf dieses Spiel mit Verschiebungen, Verdopplungen und Motiven einzulassen.

Die Traumsprache des Regisseurs wird nämlich erst dann ergiebig, wenn man ihre konzentrierte Form über alle Werke hinweg betrachtet. Dann sieht man die sich wiederholenden Symbole (Feuer!), dann entdeckt man als Zuschauer, welche geheimnisvollen Fährten der an Psychologie vollkommen desinteressierte Lynch gelegt hat. „Mulholland Drive“ darf, was die Inszenierung von traumähnlichen Zuständen bzw. einer stringenten Traumlogik angeht, wohl als Höhepunkt im Schaffen des Filmemachers angesehen werden. Vielleicht ein eher der Not geschuldetes Glück, wurden doch einzelne Fragmente aus einer geplanten und dann vom TV-Sender ABC verworfenen Serie zu einem neuen Muster zusammengefügt. So wie Träume mit den Motiven eines Lebens spielen und sie manchmal quälend wiederholen, bedient sich Lynch aus dem Stoff- und Filmmaterial seines eigenen Werkes. Da war es kein Wunder, dass plötzlich die lakonischen Hasen aus einem Website-Special, das Lynch gedreht hatte, plötzlich auch in „Inland Empire“ auftauchten.

Unheimlich

Ein blauer Samtvorhang, die dramatischen Klänge von Angelo Badalamenti. Dann plötzlich ein blauer Himmel, rote Rosen, „Blue Velvet“ von Bobby Vinton, ein Feuerwehrwagen, winkende Feuerwehrmänner, sich im Wind wiegende gelbe Blumen, Kinder überqueren eine Hauptverkehrsstraße, von einem Lotsen sicher geleitet. Dann eines dieser typischen amerikanischen Vorstadthäuser, ein Mann sprengt den Rasen, eine Frau sitzt auf dem Sofa, sieht fern, trinkt einen Kaffee dazu, auf dem Bildschirm sieht man eine Pistole, vielleicht sieht die Frau einen Krimi. Plötzlich verfängt sich der Wasserschlauch in einem Gewächs, gleich könnte die Wasserzufuhr durchbrochen werden. Doch stattdessen fasst sich der Mann an den Hals, gestikuliert wild vor sich hin. Er hat wohl einen Schlaganfall. Er fällt auf den Boden. Das Wasser spritzt unkontrolliert aus dem Schlauch, ein Hund labt sich daran, ein Kleinkind tappst herbei. Noch immer „Blue Velvet“ von Bobby Vinton, aber das Geräusch des zähnefletschenden Hundes übertönt den Schlager. Dann geht es ins Gras, immer tiefer, bis unzählige schwarze Käfer zu sehen sind, die laut und immer lauter schmatzend etwas verschlingen. So beginnt „Blue Velvet“ – und damit gelingt David Lynch geradezu exemplarisch, in einer perfekten Sequenz, das Unheimliche zu visualisieren, jenes ästhetische wie psychologische Konzept, das Freud in seinem berühmten Essay zu greifen versuchte und bei den deutschen Romantikern in direktem Anschluss an die Gothic Novel wohl zum ersten Ma deutlich beschrieben wurde.

Verstörende Irritationen, die den Alltag durchbrechen und etwas von Alters her Vertrautes und längst Verdrängtes auf erschreckende Weise wieder ans Licht holen (Freud) gibt es bei Lynch zuhauf. Dazu beunruhigende Gestalten wie den Mystery Man in „Lost Highway“, der zugleich an zwei verschiedenen Orten sein kann und mit seinen Worten Einfluss auf das Leben der Hauptperson (und auch auf die Handlung des Films) nehmen kann. Schließlich all die Doppelgänger und Spiegelfiguren, Paradesymbol des Unheimlichen: Fred Madison/Pete Dayton; Renée Madison/Alice Wakefield; Mr. Eddy/Dick Laurent in „Lost Highway“, Betty Elms/Diane Selwyn und Rita/Camilla Rhodes in „Mulholland Drive“ (zwei Filme, die selbst wie Doppelgänger funktionieren, aufeinander verweisen, sich gegenseitig erhellen).

Dazu gelingt es dem Regisseur mit seinen Filmen auf manchmal bedrückende Art und Weise Kritik an unserem Realitätsverständnis zu üben. Das funktioniert auch, in dem zwei wesentliche ästhetische Operationen der Populärkultur gegeneinander ausgespielt werden, die eigentlich nie aufeinanderprallen: Gewalt und Kitsch. Das Publikum wird so dazu gedrängt, die Emotionen in Frage zu stellen, die es aus unzähligen Kinofilmen und Fernsehserien eintrainiert hat und wohl auch für das eigene Leben anzuwenden weiß. Passiert im wahren Leben eine Situation, die in einer bestimmten Form unheimlich, ja bedrohlich und geheimnisvoll ist, so wäre es nicht unwahrscheinlich, dass sie in dem Fall „lynchesk“ genannt werden könnte.

Voyeurismus

Auch hier wieder: „Blue Velvet“. Jeffrey Beaumont, auf der Suche nach einem Abenteuer, kann gerade noch in den Kleiderschrank flüchten und muss nun eine Situation beobachten, die ihn wie auch den Zuschauer wohl gleichsam abstößt wie eigenartig erregt. Auf jeden Fall sorgt diese Variation der Ur-Szene (Kind beobachtet Mutter und Vater beim Sex) dafür, dass Jeffrey der geheimnisvollen Brünetten Dorothy Vallens verfallen ist. Oftmals qualvoller Voyeurismus prägt die Filme von Lynch. Es wird gezeigt, wovor man sonst die Augen verschließen würde. Natürlich trauern die Figuren in „Twin Peaks“ um Laura Palmer. Man will als Zuschauer mittrauern; Angelo Badalamenti versucht dies mit seinem hochemotionalen Theme, das immer erklingt, wenn es um die Ermordete geht, zu unterstreichen. Doch recht eigentlich wartet man, von unzähligen Krimis und Horrorfilmen daran gewöhnt, dass die Fassade aufgebrochen wird und die düstere Wahrheit ans Licht kommt. Unheimlich ist es dann aber doch, wenn es plötzlich nicht mehr um die Aufklärung eines Gewaltverbrechens geht, sondern um den Geschmack von Donuts und Kaffee. Das Böse kann an jeder Ecke lauern, sogar hinter dem Parkplatz eines Diners. Das Publikum wird gezwungen, zu sehen. „Zu beobachten, ohne selbst gesehen zu werden, ist eine tolle Sache“ – so Lynch in einem Interview.

Wahnsinn

Henry Spencer wird in „Eraserhead“, alleingelassen mit einem Monster von einem Säugling, verrückt. John Merrick, der „Elefantenmensch“, leidet weniger an seinem grotesken Äußeren als vielmehr an seiner Schwermut. Frank Booth erstickt in „Blue Velvet“ fast an seinen sexuellen Aggressionen („Ich ficke alles, was sich bewegt“), Laura Palmers Mörder in „Twin Peaks“ ist vielleicht Produkt einer gefährlichen Schizophrenie, an der wohl auch Fred Madison in „Lost Highway“ leiden könnte. In „Wild At Heart“ ist sogar die Liebe, die letzte Gewissheit, auf die sich die aus den Fugen geratene Welt noch einigen kann, irrsinnig geworden. In Lynchs Kunstwerken herrscht der Wahnsinn, der sich an Logik und Sinn zu schaffen gemacht hat. Auch hier folgt der Regisseur konsequent dem Programm der Surrealisten, die sich am Kranken und Wirren labten wie der Barock am Tod.

Zauberer von Oz

An diesem uramerikanischen Stoff von Frank L. Baum, 1939 verfilmt von Victor Fleming, arbeitet sich Lynch seit Jahrzehnten ab. Die roten Schuhe, sie kehren in „Wild At Heart“ wieder (ebenso wie die gute Fee und die böse Hexe). Natürlich heißt Isabella Rossellini in „Blue Velvet“ Dorothy. Lynch: „Der Zauberer von Oz hat etwas von einem Traum und übt eine enorme emotionale Kraft aus.“



Video: Tina Turner grüßt zum 80. Geburtstag

Tina Turner wieder bei besserer Gesundheit: Die Ausnahmesängerin richtet sich mit einem Grußwort an ihre Fans. Die mit bürgerlichem Namen Anna Mae Bullock geborene Tunrer wurde 1939 in Nutbush, Tennessee, geboren und lebt heute am Zürichsee in der Schweiz. Im Geburtstags-Video sagt sie, sie sei nun „happy, 80 zu sein.“ Tina Turners Geburtstagsgruß im Video: https://www.facebook.com/TinaTurner/videos/3338486262859244/?__xts__[0]=68.ARD5oTswsciiNjB0xhThYHMlBuOpHzxX0YxvvBwqDhQqIGjyC9EPQmG36zZdU_B9GG0VjuoGBlqnWIhTEC2Tn_TwkCmI_mKBxj6iS700bYF9KlNUI36GrzQfr4MTNZy0l1dVrfdzWFCsetDhLVGLbEcYKcEuYxnmH0NLGvME4kD5C3TEt21l2GBNKoBjO0WNI_pLP3NXqN1ugugmgkHnoh4hea07zQv-_fIfAaZz8zyUSLjCNMgXGnUK_rNAcDq5QSOOfBqOvxdtmyHO7OLiSe4HbWDN50Zsp78oebic_nZhkKjhALMloRg-L49r8oRvJqo5eQ1wxBTGA2q-jjiwHJd9QmUCGVcA4NZDMA&__tn__=-R Tina im Video: „Wie hatte ich mich mit 80 vorgestellt? Nun, nicht gerade so! Ich sehe gut aus, fühle mich großartig und erfreue mich nach längerer Krankheit bester Gesundheit. Es fühlt sich wie eine zweite Chance an, zu leben. Ich bin happy, 80 zu sein.“
Weiterlesen
Zur Startseite