TV-Fußnoten

Der Advent kann kommen: Gemütliche Stunden mit „About A Boy“ und „Christmas At Downton Abbey“

Die Weihnachtsmärkte sind geöffnet, die Adventszeit ist damit eingeläutet. Während man auf die Ankunft Jesu oder zumindest auf die Geschenke am Heiligen Abend wartet, gibt es noch das Finale von „Sons Of Anarchy“, das am 9. Dezember läuft. Nach sieben Staffeln ist Schluss mit SAMCRO, und man kann davon ausgehen, dass es nicht unblutig endet. Die große Frage ist bloß: Wird Jax Teller überleben? Wenn Autor Kurt Sutter sich wirklich an Shakespeares „Hamlet“ orientiert, sieht es finster aus. Auch die vierte Staffel von „Homeland“ geht noch vor dem Fest zu Ende, am 21. Dezember. Aber man kann auch Gemütlicheres gucken: Comedy Central zeigt sonntags „About A Boy“, die Serien-Adaption des gleichnamigen Films, der wiederum auf Nick Hornbys Buch basiert.

In der ersten Folge wurde quasi im Schnelldurchlauf der gesamte Film durchgeknüppelt, danach kann man sich ganz auf die Beziehung zwischen dem unreifen Taugenichts Will (David Walton) und dem kleinen Schlaumeier Marcus (Benjamin Stockham) konzentrieren. Die beiden wohnen zufällig nebeneinander, und weil der Elfjährige wenig Freunde hat und der Erwachsene noch weniger zu tun, freunden sich die beiden an und erleben einige Abenteuer, in deren Verlauf Marcus ein bisschen cooler wird. Aber nur ein bisschen! Minnie Driver spielt Marcus‘ alleinerziehende Mutter Fiona, eine esoterische Vegetarierin, Prinzipienreiterin und generelle Nervensäge, die sich aber doch als ganz verträglich herausstellt, als sie merkt, dass Will kein übler Typ ist.

Man kommt natürlich nicht umhin, David Walton mit Hugh Grant zu vergleichen, der im Film den verpeilten Will gibt – und natürlich zieht Walton dabei den Kürzeren, weil er zwar auch verstrubbelte Haare und ein schiefes Lächeln hat, aber kein so geniales Knautschgesicht. Trotzdem ist die Sitcom amüsant – und erfolgreich: In den USA läuft bereits die zweite Staffel.

Am allerschönsten lässt sich die Adventszeit allerdings mit dem Doppelalbum „Christmas At Downton Abbey“ (Warner) verbringen. 45 klassische Weihnachtslieder wurden so geschmackvoll arrangiert, wie es sich für die britische Serie gehört – und einige Darsteller dürfen sogar mitsingen. Elizabeth McGovern, die Cory Crawley, die Gräfin von Grantham spielt, erweist sich dabei als ausgesprochen talentiert – eigentlich keine Überraschung, schließlich tritt sie in ihrer Freizeit auch mit einer Folk-Band auf. Unter den sieben Stücken, die sie vorträgt, ist auch „The First Noel“, ein Duett mit Julian Ovenden, der als Abgeordneter Charles Blake freilich nur eine größere Nebenrolle hat. Er ist aber ausgebildeter Sänger und deshalb prädestiniert, „Silent Night“ zu schmettern. Das hätte Hugh Bonneville höchstwahrscheinlich nicht so gekonnt.

Der großartige Butler Mr. Carson (Jim Carter) rezitiert das Gedicht „T’was The Night Before Christmas“, Dame Kiri Te Kanawa hat einen Gastauftritt, ebenso der Chor vom Kings College zu Cambridge. Ein stillvolles Projekt, perfekt zur Serie passend und so rund wie eine Weihnachtskugel.


NOMINEE SOUND: Little Simz

Das Motto der neuen Boss-Transformation: Frag nicht lange nach, wer du sein könntest – stelle lieber jedem direkt vor, wer du deiner Meinung nach schon immer bist. Im Falle von der Britin Simbi Ajikawo ist das ihr rappendes Alter Ego Little Simz. Und das hat überhaupt keine Lust auf Tiefstapeln. Nach zwei gefeierten Alben seit 2015, Vergleichen mit Lauryn Hill und Erykah Badu sowie Fans wie Kendrick Lamar und Mos Def hat die Rapperin aus London kein einziges zaghaftes Wort mehr übrig. Funky Statement der Selbstermächtigung Auf „Grey Area“, ihrer im März erschienenen dritten Platte, heißt es, sie sei Picasso…
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