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Der Allerschrillste: Zum Tod des unvergleichlichen Komödianten Jerry Lewis

Als seine Karriere zu Ende war, spielte Jerry Lewis seine größte Rolle: In Martin Scorseses „King Of Comedy“ gab er den Showmaster Jerry Langford, einen souveränen Stand-up-Komödianten und Gastgeber, der von einem einfältigen Bewunderer und Nachahmer verfolgt wird. Robert De Niro spielt den rührend enthusiastischen Rupert Pupkin, der Langford seine Witze vorlesen will. Aber Langford spielt nur den launigen, leichtfüßigen, publikumsfreundlichen Unterhalter – seine Bonhomie endet mit seiner Sendung, und in der sogenannten Wirklichkeit ist er ein verdrießlicher, unlustiger Zyniker, der seine Ruhe haben und Tennis spielen will. Er sagt Pupkin, dass eine Witze nicht lustig sind. Zur Strafe entführt ihn der enttäuschte Verehrer. Aber Langford findet seine Witze noch immer nicht lustig.

Mit „King Of Comedy“-Regisseur Martin Scorsese (li.) 2012 beim Tribeca-Filmfestival in New York

Manches deutet darauf hin, dass Jerry Lewis, am 16. März 1926 in Newark, New Jersey als Joseph Levitch, geboren, ebenso wenig Spaß verstand. Die Mechanik seiner Komik entsprang seinem Ingenium, seiner Mimik, seiner Motorik – aber er ließ nie einen Zweifel daran, wie genau er alles plante. „The Typewriter“, sein berühmtester Sketch, ist eine präzise Choreografie aus Mimik, Gestik und Musik, die immer wieder nachgeahmt wurde. Der Filmkritiker und Regisseur Peter Bogdanovich, selbst ein Rupert Pupkin, nervte in den 60er-Jahren alle mit seinen Jerry-Lewis-Imitationen. Lewis war der populärste Komiker der Welt, der Inbegriff von Slapstick und Grimassieren.

Die Sensation in den Nachtclubs

Schon Ende der 30er-Jahre stand er mit seiner „Pantomimikry“ auf der Bühne, einer Nummer, bei der er zum Gesang von der Schallplatte so tat, als singe er. Von 1946 an trat er mit Dean Martin auf – das Duo war eine Sensation in den Nachtclubs; Paramount produzierte 16 Filme mit den beiden, von 1950 bis 1955 traten sie in der „Colgate Comedy Hour“ im Fernsehen auf. Martin, der Straight Man, der naturgemäß die Stichworte für Lewis’ Clownerien gab, fühlte sich am Ende zu wenig beachtet – als hätte es irgend jemand mit der Kanone Lewis aufnehmen können. 1955 trennten sich die beiden und traten trotz höchster Gagen-Angebote erst 1976, bei einem der karitativen „Telethons“, die Lewis veranstaltete, noch einmal gemeinsam auf.

Kooperation
Dean Martin (li.) mit Jerry Lewis 1953

Während Martin als Sänger und – bedingt – als Filmschauspieler reüssierte, drehte Lewis eine Klamotte nach der anderen, inszenierte und produzierte die Filme selbst. Während sich der Zeitgeist wandelte, wurden die Schwänke immer hanebüchener – „Wo, bitte, geht’s zur Front?“ war 1970 der trübe letzte Slapstick. 1972 schreib, finanzierte und drehte er „The Day The Clown Died“, einen Film über einen Komödianten, der für eine Hitler-Parodie ins Konzentrationslager gebracht wird und dort als Clown die Kinder unterhält. Lewis brach die Dreharbeiten kurz vor Schluss ab und hielt die Aufnahmen zurück, der Film wurde nie gezeigt.

Schluss mit lustig

1980 scheiterte der Komiker mit der burlesken Katastrophe „Alles in Handarbeit“, bei der ihn auch das Handwerk verlassen hatte. Jahrelang war er von dem Schmerzmittel Percodan abhängig, das er nach einer Rückenverletzung eingenommen hatte. 1983, nach „King Of Comedy“ erlitt Lewis einen Herzinfarkt. 1993 spielte er in Emir Kusturicas „Arizona Dream“, „Funny Bones“ (1995) ist eine Hommage an sein Naturtalent. Spät bezeichnete er sein Verhältnis zu Dean Martin als „Liebesbeziehung“ . Er hatte einen Gastauftritt in „Law & Order“ und produzierte 1996 für Eddie Murphy ein Remake seines „Verrückten Professors“.

Interview-Fragen beantwortete er so gelangweilt, barsch und brüsk, dass es rasend komisch war. Sein Gesicht war jetzt vollkommen unbeweglich. Vielleicht war das Jerry Lewis’ letzter Akt: Er war kein Clown mehr. Es war Schluss mit lustig. Ihm war zum Heulen zumute. Und er weinte in einer Fernsehsendung.

Heute ist Jerry Lewis, der allerschrillste aller Komiker, im Alter von 91 Jahren gestorben. Und alle Schreibmaschinen tippen.

Die Toten 2017:

Gilbert Carrasquillo FilmMagic
NBC NBCU Photo Bank via Getty Images

Jazz-Ikone Nancy Wilson verstorben

Nancy Wilson ist tot. Die Jazz-Musikerin ist am 13. Dezember im Alter von 81 Jahren friedlich nach einer langen Krankheit in ihrem kalifornischen Zuhause gestorben. Das bestätigte die Managerin der Sängerin, Devra Hall Levy. 1937 in Ohio geboren, war Wilson seit den 1960er Jahren eine der prägendsten Protagonistinnen im Jazz. Die Musikerin hat insgesamt 70 Alben aufgenommen, die zum Teil über das Genre hinausgingen und etwa dem Pop, Blues und Soul angehörten. Wilson selbst bezeichnete sich als „Song Stylist“ und hatte im Jahr 1965 den ersten ihrer drei Grammy Awards gewonnen. Ihren Karrierehöhepunkt erreichte sie im Jahr 2004 und 2006…
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