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Günther Jauch: der Moderator der Deutschen

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Günther Jauch: der Moderator der Deutschen

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Es gibt Menschen, die werden schon wütend, wenn sie nur den Namen Günther Jauch hören. Dass man ihn hört, kommt häufig vor (wenn auch nicht mehr so sehr wie noch vor zehn Jahren), denn der gebürtige Münsteraner gehört schon lange zu den beliebtesten TV-Moderatoren Deutschlands. Wahrscheinlich würde er spielend Kanzler, wenn er sich denn aufstellen ließe.

Als Gastgeber der wohl bekanntesten Quiz-Sendung des Landes – „Wer wird Millionär“ – hat er aber einige seiner Zuschauer derart zur Weißglut getrieben, dass sie ihm das, um die Chance ihres Lebens geraubt, nicht mehr verzeihen werden. Sie mussten eine Stunde lang auf ihrem harten Stuhl hinter den Kameras sitzen, nervös auf ihre Uhr schauen und beobachten, wie Jauch sich mit einem der Kandidaten amüsierte, ihn aushorchte, mit ihm Witze machte und sich geradezu in ihn vertiefte. Die Wartenden hatten keine Chance mehr, dranzukommen. Die Fragen waren plötzlich zur Nebensache geworden – und die Show wie im Flug vergangen. In solchen Situationen ist Günther Jauch in seinem Element, dann gelingt es ihm fast spielerisch, die Neurosen seines Gegenübers zu entlarven, Schwachstellen zu benennen und mit einem manchmal auch bösartigen Lächeln ewige Wahrheiten über die taumelnde menschliche Seele offenzulegen.

Neugierig, ehrgeizig – und bieder

Diese Gabe wurde nicht vielen Fernsehvertretern in die Wiege gelegt. Selbst Jauch dürfte sie kaum in seinen Lebenslauf geschrieben haben, als er sich nach erquältem Abitur (kein Interview, in dem er nicht auf seinen Durchschnittsdurchschnitt von 3,1 hinweist) und abgebrochenem Jura-Studium an der Deutschen Journalistenschule bewarb. Doch Jauchs unbändige Neugier auf die Biographie der anderen und sein feines Gespür, wie er mit gespielter Unbeholfenheit seinen Gesprächspartnern das eine oder andere Geheimnis entlocken kann, verliehen seiner zuweilen biederen Moderationstechnik Espirit.

Seine Interessen für Sport und Zeitgeschehen lotsten den langjährigen Ministranten zum Bayerischen Hörfunk, wo er im Verborgenen seinen Neigungen nachgehen konnte. Bis er, so will es die Legende, von Thomas Gottschalk mehr oder minder für die bunte Welt der Unterhaltung angeworben wurde. Gemeinsam moderierten die inzwischen zu Freunden gewordenen Sprecher die „B3-Radioshow“ – und noch heute soll es Menschen geben, die diese Sendungen als Sternstunde des Radios bezeichnen und in Erinnerung darüber in Freudentränen ausbrechen. Der neurotische, penible Jauch feixte mit dem leichtblütigen Gottschalk um die Wette, Sticheleien waren an der Tagesordnung. Ein Hauch Anarchie, wie sie eben im deutschen Medienalltag selten ist.

Rundfunkmoderator Günther Jauch
Rundfunkmoderator Günther Jauch

Mit 29 Jahren führte es Jauch – auch wenn das aus heutiger Sicht wegen seines rigorosen Desinteresses für Äußerlichkeiten kurios erscheinen mag – zum Fernsehen, wo er zunächst weiterhin für den Bayerischen Rundfunk tätig war und schließlich 1986 beim ZDF landete. Dort riet er bei „Sag die Wahrheit“ mit und übernahm „Na siehste“. 1988 engagierte der Sender ihn schließlich für „das aktuelle sportstudio“. Hier ließ er mit leisem Humor und etwas ungelenk das Sportgeschehen Revue passieren.

Bei RTL durfte Jauch auch (ein wenig) frech sein

Wohl wenige hätten im Fahrwasser dieses Erfolges den Sender gewechselt, doch Jauch reizte es, auf seine vornehme, zurückgenommene und wohl auch etwas ängstliche Art, die Welt zu erkunden – und womit hätte das besser gelingen können als mit „Stern TV“. Fast 900 Mal klammerte sich Jauch an seinen Karten fest, ließ vergessene Reisekoffer plündern oder sich von Anacondas umarmen, bis er schließlich von Steffen Hallaschka abgelöst wurde – einer Art aufgemotztem Update seinerselbst. Auch wenn Jauch zusätzlich noch über die Champions League berichten durfte (und gemeinsam mit Marcel Reif ein in Madrid in sich zusammengefallenes Tor nutzte, um auf denkwürdige Art über die Absurditäten des Fußballs und des Lebens zu philosophieren), bleibt der Höhepunkt seiner Karriere bis heute die Besetzung als Herr der Fragen in „Wer wird Millionär“.

Hier konnte er ungeniert gemein sein, wenn er verunsicherte Lehrer mit leeren Händen von dannen ziehen ließ. Hier konnte er sein Spiel mit dem oftmals ungerechten Bildungsschicksal der Deutschen zelebrieren. Jahrelang gelangen ihm so Traumquoten von mehr als 12 Millionen Zuschauern. Das dürfte sicher auch an seinem untrüglichen Gespür für Spannung und seiner geschickten Zurschaustellung von Allgemeinwissen gelegen haben, die ihm zu dem wohl nicht ganz korrekten Ruf verhalfen, einer der Klügsten seines Fachs zu sein.

Günther Jauch bezwingt auch eine Sprossenwand
Günther Jauch bezwingt auch eine Sprossenwand

Längst ist das Frage-Antwort-Spiel, das überraschend wenige bis zum gloriosen und einträglichen Ende durchspielten, über seinen Zenit hinaus, doch Jauch ficht das nicht an. Pragmatisch lässt er sich von RTL zu bunten Specials mit Zwillingspaaren, Rentnern und ratefreudigen Prominenten animieren und wirkt dazu von Jahr zu Jahr alberner. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass ihm seine Arbeit immer noch Spaß bereitet.

Der scheint ihm in der ARD allerdings schnell vergangen zu sein, als er mit großem (wohl auch finanziellen) Aufwand in Berlin in einem außer Betrieb genommenen Niedrigluftbehälter – der Witz liegt hier fast schon auf der Hand – den wohl gesellschaftlich relevantesten Sendeplatz im Fernsehen mit einer politischen Talkshow übernahm, die nie so recht zünden wollte. Zu steif wirkte Jauch, zu sehr klebte er wieder an seinen Karten, als dass es ihm gelingen konnte, seine rhetorisch gut vorbereiteten Gäste in eine ähnliche Position zu bringen wie bei „Wer wird Millionär“. So wirkte der Wahlpotsdamer, der sich inzwischen als Winzer vom harten Fernsehalltag ausruht, oftmals blass und spielte wohl auch einmal zu oft die kläglich abwägende Stimme des kleinen Mannes, um in dem perfiden Geschäft zu überzeugen. Folgerichtig gab der Moderator den Staffelstab zurück an Anne Will und fokussierte sich wieder auf seine Aufgaben bei Privatsender RTL.

Jauch und Gottschalk sind ein Dreamteam

Der lässt ihn seit geraumer Zeit auch machen, was er will. Mit seinem Kumpel Thomas Gottschalk spielt er in wirren, aber oft unterhaltsamen Studiospielen gegen sein Publikum, von Quälgeist Oliver Pocher lässt er sich zum Rätselraten mit dem einen oder anderen „Star“ gängeln und inzwischen darf er sich an einer weiteren (allerdings nervtötenden) Quizshow abarbeiten: „500 – die Quiz-Arena“.

Am schönsten sind jedoch jene Momente, in denen Günther Jauch und Thomas Gottschalk aufeinander treffen, wenn sie für wenige Minuten nicht von irgendeinem Showkonzept zu etwas gezwungen werden, sondern sich einfach ungezwungen miteinander unterhalten, Faxen machen und über die Marotten des anderen herziehen. Das sind kleine Augenblicke der Spontaneität und des fröhlichen, auch intelligenten Miteinanders, die im deutschen TV-Alltag selten geworden sind.

Thomas Gottschalk und Günther Jauch - eine Freundschaft über alle Hindernisse der Medienwelt hinaus
Thomas Gottschalk und Günther Jauch – eine Freundschaft über alle Hindernisse der Medienwelt hinaus

Am 13. Juli wurde der deutscheste aller deutschen Moderatoren, der immer noch etwas unterschätzte Fußballkenner und manische Zeitungsleser Günter Jauch übrigens 60 Jahre alt.

Istvan Bajzat picture alliance / dpa
Jörg Carstensen picture alliance / dpa
Jens Kalaene picture alliance / dpa
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