Search Toggle menu
Highlight: Zum Tod von Meisterregisseur Nicolas Roeg: Im Sog der Leidenschaften

Die besten Sänger aller Zeiten: Mick Jagger – Text von Lenny Kravitz

Ich kenne Leute, die technisch perfekt singen und mit Mick Jagger nichts anfangen können. Weil das, was er macht, so komplex ist. Er hat ein sehr feines Gespür für Tonhöhe und Melodie. Sein Gesang ist atemberaubend, perfekt nach seinen ganz eigenen Maßstäben. In manchen Songs wird er zu einem anderen Menschen. Zum Beispiel „Angie“: Diese Stimme habe ich bei ihm danach nie wieder gehört. Vorher auch nicht. Und ich liebe es, wenn er Falsett singt, wie auf „Emotional Rescue“ oder „Fool to Cry“.

Am besten gefällt er mir total unverfälscht. Als wir „God Gave Me Everything“ produzierten [für Goddess in the Doorway], machten wir eine Aufnahme, die er für eine Probe hielt. Weil er den Text noch nicht konnte, las er ihn von einem Blatt Papier ab. Keine Stopps, nur ein Take, zack! Und genau die Aufnahme war’s dann.

Mick ist sehr diszipliniert, er nimmt seinen Beruf extrem ernst. Einmal, als die Stones ein paar Tage Tourpause hatten, machten Mick und ich Urlaub auf den Bahamas. Tagsüber gingen wir an den Strand, kauften auf dem Markt ein, kochten, tranken Wein. Am Abend ging er in den Keller und schob ein Soundcheck-Band ein, nur die Band, ohne Gesang, und tanzte und sang dazu, um in Form zu bleiben. Die Stimme ist wie ein Muskel. Wenn du auf Tour bist und zwei Wochen nichts tust, bist du nach dem nächsten Gig heiser. Deshalb ging er jeden Abend in den Keller – und ist mit 65 Jahren stärker denn je.

Das Schöne an diesem Urlaub war, im Wohnzimmer zu sitzen und „Brown Sugar“ und „Satisfaction“ live durch den Fußboden dröhnen zu hören. Das war mein abendliches Unterhaltungsprogramm. Ziemlich surreal, was?

  • GEBURTSTAG: 26. Juli 1943
  • GOLDENE MOMENTE: „Gimme Shelter“, „Sympathy for the Devil”, „Satisfaction“
  • GURU FÜR: Jack White, Steven Tyler, Iggy Pop


Die besten Alben aller Zeiten: „Beggars Banquet“ von den Rolling Stones

„Als wir zwischen 1964 und 1966 durch die USA tourten“, erinnerte sich Keith Richards, „hatte ich mir eine riesige Plattensammlung zugelegt, aber nie die Zeit gefunden, sie auch zu hören. Ende 1966, Anfang 1967 packte ich sie endlich aus und legte die Platten auf.“ Nach „Their Satanic Majesties Request“, ihrem psychedelischen Ausrutscher von 1967, war es Richards’ Plattensammlung, die die Stones wieder zu ihrer Version Amerikas zurückbrachte: Country auf „Dear Doctor“, Blues auf „Prodigal Son“ und der Sound der Protestmärsche auf „Street Fighting Man“. „Sympathy For The Devil“ war eine Hymne auf die Abgründe des menschlichen Herzens. Die Stones waren…
Weiterlesen
Zur Startseite