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Highlight: Pet Shop Boys im Interview: „Wir waren schon immer sehr deutsch“

Die Oktobersymphonie: Vor 25 Jahren erschien „Behaviour“ von den Pet Shop Boys

Gut, sie waren nicht jedermanns Lieblingsband. Vielmehr waren sie jedermanns Lieblingsband, aber nicht unsere Lieblingsband. Und sie waren keine Band. Man konnte nicht anders, als „West End Girls“ zu lieben, doch die hymnische Omnipräsenz von „Always On My Mind“ war ZU SEHR 80er-Jahre, bevor man dergleichen sagte und dachte. Das PLUCKERN kannte man von den Produktionen von Stock-Aitken-Waterman, und die feinen und groben Unterschiede bemerkten wir nicht. Pet Shop Boys war Musik mit Synthesizer. Kylie Minogue wurde dann unwahrscheinlicherweise auch cool, und Bananarama waren erst halb cool, dann gar nicht mehr. Aber die Pet Shop Boys: Die waren wirklich was. Und sie blieben es.

Ein neues Europa – nicht bei den Pet Shop Boys

„Actually“ von 1987 war die eigentliche definierende Platte des Jahrzehnts, und „Rent“ war ihr definierender Song. Ein besseres Cover-Motiv gab es nicht. In der Rückschau wissen wir das alles, aber damals waren wir beschäftigt mit XTC und Prefab Sprout, mit Michael Jackson und Madonna. Und, o Gott, mit U2.

Dann 1990. Der Aufbruch. Ein neues Jahrzehnt. Ein neues Europa. Ein neues Leben.

Nicht bei den Pet Shop Boys. Sie waren von Schwermut erleuchtet. Sie holten Harold Faltermeyer, der mit „Miami Vice“ den maschinellen Klang jener Jahre entworfen hatten. Wahnsinn, dass die Pet Shop Boys ihn wollten! Am Mixing des Albums arbeitete der nachmals berühmte Julian Mendelssohn. Johnny Marr, der nach dem Ende der Smiths wenig zu tun hatte, spielte bei zwei Songs die Gitarre. Angelo Badalamenti, der Komponist von „Twin Peaks“, arrangierte zwei Stücke. Und das Balanesqu Quartet wurde für ein Streicher-Arrangement engagiert.

Und dennoch weiß man nicht, wie sie es gemacht haben. Es ist keine Platte der neuen Zeit – sondern eine Platte der illustren Melancholie, der glänzenden Vergangenheitssucht, der Trauer und der Wahrheitssuche. „Being Boring“ und das wunderbar elegische Video verbinden die britische Empfindsamkeit von Evelyn Waugh, Oscar Wilde und Christopher Isherwood mit Hollywood-Gefühligkeit und dem ganz großen Gefühl der Nostalgie: verpasste Chancen, verlorene Hoffungen, vergangene Schwüre, vergilbte Briefe, Memorabilia im Karton.



Die 100 größten Musiker aller Zeiten: David Bowie – Essay von Lou Reed

David Bowie Von Lou Reed David Bowies Beitrag zum Rock’n’Roll: Witz und Sophistication. Er ist clever, aber er ist auch ein wahrer Musiker, und er kann wirklich singen. Und das mit einer riesigen Spannbreite: Ich mag den Ton von Ziggy Stardust, aber David hat noch ganz andere Stimmen. Selbst die eines Crooners, wenn er will. Und einen Sinn für Melodie, an den niemand sonst im Rock’n’Roll rankommt. Manche seiner Melodien könnten die meisten überhaupt nicht singen. Androgyn waren viele im Rock, angefangen mit Little Richard, aber David hat dem Ganzen seine eigene Patina verliehen, um’s mal vorsichtig auszudrücken. Er hat…
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