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Das „Dschungelcamp“ ist großes absurdes Theater

Längst hat sich auch bei jenen herumgesprochen, die solchen Klimbim im Fernsehen generell verdammen, dass „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ nicht erst auf den zweiten Blick ein mit viel Geschick und einigem Geld produziertes Unterhaltungskabinettstück ist, das zwar mit grenzdebil wirkenden Protagonisten besetzt ist, trotz allem aber von erstklassigen Autoren geschrieben wird. Die denken sich eben nicht nur die scharfen Pointen des wie Waldorf und Statler über die Empore des Klamauktheaters gebeugten Moderatorenpärchens aus, sondern verleihen den wirren Bildern aus dem Urwald, die nicht selten gähnend langweilige Schnipsel von zumeist langweiligen Menschen sind, eine handfeste Dramaturgie.

Das „Dschungelcamp“ stellt die Frage, wie moralisch (und glaubwürdig) Unterhaltung sein muss

Der laut ausgesprochene Konsens, der das Camp nicht nur auf die BILD, sondern auch in die ZEIT hievt, ist, dass RTL hier ganz einfach gutes Fernsehen macht: lustig, von allen Beteiligten gewinnbringend genutzt, im Grunde harmlos. Harmlos ist hier allerdings gar nichts.

Mit Buschtrommeln und Trompeten stellt das „Dschungelcamp“ noch einmal die große Frage, was eigentlich Unterhaltung sein kann. Das Straflager für aus dem Rampenlicht ausgetretene ehemalige Teilnehmer einer kaum mehr zu überblickenden Showkaste, die auf diversen Bühnen ihre Credibility erprobt, will Raum bieten für einen kaum zu bändigenden Humor der Erbärmlichkeit (der hier selbst lustvoll zitiert wird).

Anscheinend ist das Veralbern der offensichtlichen menschlichen Untiefen inzwischen das mehrheitsfähigste Element der (Fernseh-)Komik geworden. Es wird nicht über die Schwächen anderer Menschen gelacht, sondern über ihr Scheitern und ihre generelle Deplatziertheit in einem System, das der Berühmtheit um ihrer Selbstwillen huldigt.

Im Dschungel müssen an jedem Baum Spiegel angebracht sein

So viele Narzisse, die im Dschungeltümpel das Bild eines vielleicht durch die Show aufgerüsteten Promistatus‘ erhaschen wollen. „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ ist, und das mag allen Beteiligten erst nach einigen Sendestaffeln aufgegangen sein, echtes Meta-Fernsehen. Hier spiegelt sich das Fernsehen selbst, hier spiegelt sich die Fernsehshow mit ihrer Besetzung von definitiv durchschaubaren role models als Kandidaten (die dann doch, that’s life!, lustvoll gegen ihre offensichtliche Besetzung anspielen).

RTL


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