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ROLLING-STONE-Porträt

Eagles Of Death Metal: So funktioniert die Band

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Eagles Of Death Metal: So funktioniert die Band

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Update zu den Terroranschlägen (Samstag, 14 Uhr): Noch immer kein Statement der Eagles Of Death Metal über ihren Zustand. Berichten von Angehörigen zufolge sind die Bandmitglieder in Sicherheit.

Anmerkung: Dieses Porträt wurde erstmals am 6. Oktober 2015 online veröffentlicht

Der dauergeile Pastor und der Wüstenrocker reiten wieder gemeinsam. Wie „Zipper Down“, der Titel des vierten Eagles-of-Death-Metal-Albums nahelegt, bleiben Josh Homme und Jesse Hughes bei ihrem angestammten Thema.

Als Jesse Hughes an einem heiteren Frühsommermorgen im Büro seines Londoner Managements eintrudelt, empfängt ihn Bandkollege Josh Homme mit Lob für das rot-weiß-karierte Tischtuchmuster seines zum Bersten engen Hemds. Prompt ergibt sich eine Konversation über Bekleidungsetiketten beim Bergwandern, in deren Verlauf Hughes seine Liebe zu „German music“ bekennt. Zum Beweis hält er dem ROLLING STONE sein Smartphone vors Gesicht: „Anton from Tyrol“ ganz oben auf der Playlist.


Bei der Gelegenheit bestätigt Homme die alte Geschichte, wonach seine Grundschulung im Gitarre spielen einst mit Polka-Etüden begann. Verbunden mit dem richtigen Beat, meint er, ließe sich aus dem „Umpah Umpah“-Muster ein feiner Boogie ableiten.

Kindheitserinnerungen sind nie weit entfernt, wenn die Eagles of Death Metal zusammenkommen. Hughes, der eigentlich in South Carolina geboren wurde – und bei jeder Gelegenheit seine authentischen Südstaatler-Wurzeln erwähnt – , ging mit Homme in Palm Desert in Kalifornien zur Schule. Als die beiden Ende der 1990er ihre irreführend ironisch benannte Band gründeten, war des letzteren Zweitkarriere als Frontman der Queens of the Stone Age – nach dem Ende der Stoner-Rock-Giganten Kyuss – gerade erst im Anlaufen. Hughes dagegen stand vor dem Trümmerhaufen einer traumatischen Scheidung und tauschte sein erstes Leben als übergewichtiger Familienvater gegen eine neue Existenz als schnauzbärtiger, erotomanischer Rockstar ein.

Musizieren wie beim Klassentreffen

Gerade weil sie es so sporadisch tun, ist das gemeinsame Musizieren dieser beiden Männer immer von der berauschten Energie eines gelungenen Klassentreffens beseelt. „Genau so ist es! Du bist der erste, der die Einfachheit dieser Sache erkennt“, schmeichelt Homme dem ROLLING STONE, „Die Leute haben immer so einen verdrehten Blickwinkel auf unsere Beziehung, aber Jesses Enthusiasmus wirkt auf mich genauso ansteckend wie auf unser Publikum.“

Niemand könnte behaupten, dass wir uns nicht für die Frauen einsetzen

Hughes’ Songs, sagt Homme, seien Blumenzwiebeln, die man mit reichlich Wasser und Licht zum Blühen bringen müsse. Im Fall von „Complexity“, dem Opener von „Zipper Down“, dem ersten EoDM-Album seit sieben Jahren, wird dieser Prozess ungeniert offengelegt. Schließlich ist die Nummer bloß eine mit zusätzlichen Gitarren aufgemotzte Version des 2011 unter Hughes’ Solo-Pseudonym Boots Electric veröffentlichten Originals. Auch sonst wird auf „Zipper Down“ nicht unnötig an der funktionierenden Formel herumgefummelt. Hier ein Song über pseudocoole Typen in Bands („Silverlake“), da und da und da einer über Frauen bzw. das, was ein Rockstar auch Mitte Vierzig immer noch so gerne mit ihnen tut („I Got A Woman“, „I Love You All The Time“, „Oh Girl“ etc.). Auf dem Cover verdecken die Visagen von Hughes und Homme die Nippel eines Frauenbusens unter aufgezippter Lederjacke. Spinal Tap lässt grüßen, und doch hat man das Gefühl, dass auch das bei ihren Fans noch reingehen wird.

„Natürlich wird es das“, grinst Homme.
„Wir lieben die Frauen“, sagt Hughes, „Niemand könnte behaupten, dass wir uns nicht für die Frauen einsetzen. Wenn du so wie wir beide eine sehr starke Mutter hast, setzt das einen hohen Standard in deinem Frauenbild.“
„Ich glaube, die Leute kriegen mit, dass unsere Musik mit Augenzwinkern zu verstehen ist“, lenkt Homme ein, ehe sein Freund sich die Sexisten-Grube gräbt, „Sie wissen, dass bei uns der Spaß wie eine Sauce über allem drüber liegt… Oh je, das wird sich jetzt im Druck nicht so gut machen.“
„Ja, ich weiß auch nicht“, meint Hughes, „ob ich wirklich über und über von Spaß-Sauce bedeckt sein will.“

“Gott liebt den Sünder”

Da spricht ein Mann, der in der Freizeit – nach dem Vorbild seines Idols Little Richard – als Pastor einer quasi-katholischen Splittersekte die Sünden seines Rock’n’Roller-Lebens abbüßt. „Wenn du aus dem Süden kommst, dann ist der Prediger, der am Sonntag den verrücktesten Sermon hält, genau der, der in der Nacht davor am Karneval am härtesten gegamblet hat“, sagt Jesse Hughes, „Gott liebt den Sünder. Wenn ich auf Tour bin, suche ich in diesen Dingen meinen persönlichen Trost. Und damit bin nicht der einzige. In der Sekunde, als ich bei Rock im Park ankam, hat mich einer gebeten, ihm die Beichte abzunehmen. Wunderbar.“

Das gefalle ihm so gut an seinem Freund, sagt Homme, „dass er so einen starken Glauben an alles Mögliche hat. Er glaubt an Rock’n’Roll als etwas, das da oben auf dem Berg liegt. Man muss nur raufklettern und wird es finden. Dieser unbeugsame Glaube liegt im Epizentrum dessen, wie dieses komplexe Individuum funktioniert.“ Und das meint er zur Abwechslung ernst.

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