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TV-Kritik: „Echo“ – Wonnen der Wertschätzung

Man sieht all die jungen Gesichter, die 1992 bei der ersten ECHO-Verleihung waren, und man erkennt sie: Udo Lindenberg, der damals (er war 46 Jahre alt) den Preis für sein Lebenswerk bekam, Herbert Grönemeyer und Nena, die schon damals nörgelte. Uwe Ochsenknecht nahm damals Platten auf und war auch da. Campino sagt in der Rückschau: Man ging aus Mitleid hin. Bei einer der frühen Preisverleihungen stopften sie die Trophäe in eine große Papiertüte. Punk, nä. Später, als sie weitere ECHO-Stahltrophäen bekamen, machten sie das nicht mehr.

Und das ist der Unterschied: Seit 1999 wird der ECHO im Fernsehen übertragen, er war immer der größte deutsche Musikpreis, denn eigentlich gibt es nur diesen einen deutschen Musikpreis, man kennt keinen anderen, und jetzt wird er WERTGESCHÄTZT. Er wird wertgeschätzt von Helene Fischer, die einen schwarzen Spitzenfummel trägt und die höchsten Schaftstiefel von Berlin und die auch diesmal vier Preise (für ein Weihnachtsalbum) bekommt. Er wird wertgeschätzt von Udo Lindenberg, der seine neue Single vorstellt und einen Alibi-Preis für ein Video erhält, das Kim Frank gedreht hat. Er wird wertgeschätzt von Joris, einem rührseligen Schnulli, der für seine schmalzige Umarmungsmusik zwei Preise bekommt und unwahrscheinlicherweise den Preis der KRITIKER. Er wird wertgeschätzt von den Puhdys, die für ihr Lebenswerk geehrt werden und sich wirklich freuen und umständlich bedanken, weil sie sehr alt sind und unterhopft und bald nicht mehr auftreten werden.

Nicht richtig wertgeschätzt wird der ECHO von Kollegah, der zwei Eumel bekommt und auf dicke Hose macht, weil die Kategorie „HipHop/Urban“ fast am Ende präsentiert wird, was Kollegah nicht wirklich zeitgemäß findet. Danach kommt aber die Bartmütze Mark Forster, die wirklich zeitgemäß ist. Smudo von den Fantastischen Vier, der hier früher Preise bekam und heute den Preis für das beste, vulgo erfolgreichste Album ansagt, erinnert an die Zeit der Wachswalze und an die Schallplatte. Er spricht vom „Worshippen“ des Albums an sich. Die Ironie ist die letzte Bastion der Alten Garde.



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Freiwillige Filmkontrolle widmet sich in Teil 2 der großen 1986er-Retrospektive folgenden Filmen: Platoon The Mission Pretty In Pink Labyrinth Top Gun Highlander Staatsanwälte küsst man nicht Gefährliche Freundin Sassan Niasseri und Arne Willander im Podcast: Hier die aktuelle Folge anhören. FFK-Weiterhören: 40 Jahre „Der Elefantenmensch“ „Beastie Boys Story“ Unorthodox“ – Kunst oder Kitsch? „Tiger King“ „Der Schacht“, „The Mandalorian“, „Der Unsichtbare“ 1986 – das magische Kinojahr Corona-Krise: „Contagion“ und „Outbreak“ 1985: Goonies, Mad Max, McFly und Co. 1985 auf dem Prüfstand – Teil 1 Oscars 2020: der Check „Uncut Gems“ – DER Oscar-Snub! „Picard“ – das neue „Star Trek“-Highlight Die…
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