Elvis Costello: Keine Lust auf keine Ahnung


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„National Ransom“, das aktuelle Album von Elvis Costello, ist ein wunderbarer Brocken. 16 Songs, ein Geschichtenspektrum, das von den 20er Jahren bis in die Jetztzeit reicht und Costellos allgegenwärtiger musikalischer Formenkatalog, der von den Spielarten des frühen Rock’n’Rolls, des Countrys, des Pops, des Blues bis in die feinsten Verästelungen der Klassik, des Jazz und der Experimentalmusik reicht. Arne Willander resümierte in seiner Rezension (hier nachlesen) zwar zunächst: „Allein, niemand will hören, was Costello alles kann – denn der einfachste Costello ist meistens der beste.“ Aber: „Anlässlich von ‚National Ransom‘ muss man diese Theorie allerdings noch einmal überdenken.“

Mission erfüllt, dürfte Elvis Costello nun denken. Im Gespräch mit Maik Brüggemeyer (nachzulesen ab dem 25.11.) bekannte Costello, angesprochen auf die Komplexität seiner Texte: „Ich habe keine Lust, so zu tun, als hätte ich keine Ahnung, nur weil diese Komplexität nicht in eine Welt passt, die in soundbites denkt.“ Aber Costello bleibt auch Realist: „Es wäre natürlich schön, wenn die Leute dem Album so viel Substanz beimäßen, dass sie es sich öfter konzentriert anhörten. Doch viele sind sicher ungeduldig, wenn sie nicht sofort verstehen, um was es bei den einzelnen Songs geht. Das liegt aber nicht daran, dass sie schlecht geschrieben sind, sondern daran, dass es Texte sind, die auch musikalisch funktionieren müssen.“ Es sei schwierig, sich beim Schreiben zu zügeln, wenn man um all die Möglichkeiten weiß, die man hat, so Costello.