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Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Der Wind ruft King Karacho!

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Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Der Wind ruft King Karacho!

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Folge 67

Schon des Öfteren habe ich in meinem Pop-Tagebuch dem Schaffen diverser Lieblingsschlagzeuger gehuldigt. Das mag damit zusammenhängen, dass ich in jungen Jahren selbst als Schlagzeuger tätig war und mich der Zunft der Rhythmusarbeiter bis zum heutigen Tage verbunden fühle.

Auch diesmal soll ein Mann gewürdigt werden, dem große schlagwerkerische Verdienste zukommen, gleichwohl sein Name nicht eben dazu angetan ist, bei Zusammenkünften von veganen Skat-Runden für kennerisches Zungenschnalzen zu sorgen. (Hier herrscht übrigens gerade ein enormer Wind vor der Türe. Selbst wenn ich Gefahr laufe hier den Lesefluss zu zerstören und – vermutlich schlimmer noch – komplett das mir zugewiesene Thema verlasse: So ein Wind, der muss einfach mal erwähnt werden. Es wird in Texten, die mit Musik befasst sind, ohnehin viel zu wenig über Wind geschrieben. Aber ich möchte nicht in einer Welt leben, in der man, obwohl man gerade eigentlich einen Schlagzeuger rühmen möchte, nicht einfach mal eben den Wind erwähnen darf. Songs wiederum werden genug über Wind geschrieben: „Wind of Change“, „Blowin’ in the Wind“, „Summer Wind“ oder „The Wind Cries Mary“ fallen mir spontan ein: Hier herrscht also kein Nachholbedarf. Aber zurück zu den Schlagzeugern.) Der Musiker, den es heute zu preisen gilt, heißt Johnny Perez. Eigentlich wird man mit so einem Namen ja Türsteher oder Handlanger eines Drogenbarons in einem John-Milius-Film, aber Johnny Perez ist eben Trommler geworden. Die Band, in der er sein rühmliches Werk verrichtete, war das von Doug Sahm angeführte Sir Douglas Quintet.

Perez gebot neben der kompetent exekutierten Rhythmusarbeit aber noch über andere Stärken: Da er ein leidenschaftlicher Amateurboxer war, konnte er ein ums andere Mal in heiklen Situationen (etwa wenn irgendwelche Rednecks Anstoß am langen Haar der Musiker nahmen) auf unkomplizierte Art und Weise die Lage klären. Später war Perez Besitzer des Topanga Skyline Studios, in dem einige äußerst unrühmliche Platten aufgenommen wurden (Bob Dylans epochal fürchterliches Album „Knocked Out Loaded“ etwa oder die Bobby-McFerrin-Single „Don’t Worry, Be Happy“, die ich am Ende des heutigen Eintrags mit all meinen Leserinnen gemeinsam zu intonieren gedenke).

Inzwischen ist es still geworden um Perez, was vor allem damit zusammenhängt, dass er leider vor ein paar Jahren an den Folgen einer Leberzirrhose verstarb. Sein Studio wurde 2012 für knapp 900.000 Dollar zum Verkauf angeboten.

Erwähnung finden muss Perez’ Zusammenarbeit mit Joe King Carrasco, der Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger quasi im Alleingang ein Revival des von Doug Sahm pionierten Tex-Mex-Pops einläutete. Auf YouTube ist ein recht eindrückliches Video von einem Playback-Auftritt Joe King Carrascos in einer TV-Sendung zu sehen, bei dem der King mit seiner Band The Crowns das Stimmungslied „Buena“ zum Besten gibt: Mancher mag angesichts dieser Aufnahmen geneigt sein, ein Achtziger-Tex-Mex-Revival rückblickend für keine so gute Idee zu halten, aber mein Herz hat das Filmchen im Sturm erobert. Joe King Karacho springt da, womöglich mild angetrunken, mit Krone und Umhang vor dem Mikro herum und drückt massiv auf die Partytube. Unschuldiger Spaß für die ganze Familie.

Von „Buena“ gibt es auch ein offizielles Video, das in London entstand. Es zeigt vor allem zweierlei: 1. Die Keyboarderin der Crowns hatte einen Lieblingspullover, den sie offenbar immer trug, wenn es irgendwo öffentlich zu keyboarden galt. Und 2: Joe King Carrasco, der hier – wieder in vollem Ornat mit Krone und Umhang – einem Bus hinterherläuft, ist ein Mann, der sich sympathischerweise absolut nicht ernst nimmt. Angeblich tritt er immer noch auf, allerdings fast ausschließlich in der Nähe von Puerto Vallarta, einem mexikanischen Seebad.

Da wäre ich jetzt auch gerne, denn hier übernimmt nun mehr und mehr der Wind. Gerne würde ich jetzt zu den Klängen von Joe King Carrascos „Buena“ die Wohnung durchtanzen, aber ich habe ja eben angekündigt, zum Abschluss mit meinen Leserinnen „Don’t Worry, Be Happy“ zu singen. So sei es. Und bitte …

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