Film & TV – Reviews

  • Das finstere Tal

    - Regie: Andreas Prochaska

    Der Brenner-Bauer hat sechs Söhne, eine Fresse fieser als die andere. Die Brüder üben in der Dorf­gemeinschaft das Machtmonopol des Alten aus, der sich nur noch aus seinem Bett erhebt, wenn ein Todesurteil zu fällen ist. Als ein wortkarger Fremder in das Tal einreitet, stehen sie bereits Spalier. Greider, so heißt der Alpen-Cowboy, kommt kurz […] mehr…

  • Tipp: Maps To The Stars - Regie: David Cronenberg

    Filmstars sind eine Erfindung cleverer Studio-Mogule. Die Idee stammt aus der Zeit, als die noch junge Attraktion der Bewegtbilder erste Abnutzungserscheinungen zeigte, und die sich verflüchtigende Magie des Kinoapparats menschliche Projektionsflächen erforderte. Die Traumfabrik als Illusionsmaschine. Stars spielten in diesem System eine schizophrene Rolle: Sie mussten ihrem Publikum Nähe suggerieren und verkörperten zugleich die unerfüllten […] mehr…

  • Can A Song Save Your Life? - Regie: John Carney

    Dieser Film des Autors und Regisseurs John Carney („Once“) haucht dem warmen Sommer eine Brise Humor, Herzschmerz und entzückende Romantik ein. Klar, Carney hat „Once“ noch einmal gemacht, nur mit größeren Stars und größerem Budget. Erstaunlicherweise hasst man ihn nicht dafür. „Can A Song Save Your Life“ nimmt einen für sich ein, indem er nicht […] mehr…

  • Lügen & andere Wahrheiten - Regie: Vanessa Jopp

    Florian David Fitz als Yoga-Lehrer zu besetzen, der frustrierte mittelalte Frauen bezaubert, ist ein schöner Kniff. Dieser Andi, so heißt er, hat dann auch einige Probleme hinter seiner spirituellen Fassade versteckt. Und den Teilnehmerinnen seines Kurses geht es ähnlich. Nur Zahnärztin Coco, die kurz vor der Hochzeit mit dem Immobilienmakler Carlos steht, scheint gegen jede […] mehr…

  • Nowitzki – Der perfekte Wurf - Regie: Sebastian Dehnhardt

    Es sei ihm unheimlich, dass ihm so viel Aufmerksamkeit geschenkt werde, weil er einen Ball in einen Korb werfen könne, sagt Dirk Nowitzki am Ende von Sebastian Dehnhardts Dokumentation, und in der Tat bringt man den stieseligen Schlacks, dessen Karriere man hier zwei Stunden auf der Leinwand begleitet, nicht mit dem Wort Superstar in Verbindung. […] mehr…

  • Tipp: Die geliebten Schwestern - Regie: Dominik Graf

    Warum braucht Deutschland noch einen Film über Schiller? Das könnte man angesichts „Die geliebten Schwestern“ fragen. Aber das ist natürlich großer Unsinn, wenn man mal genauer hinschaut. Denn Schiller schreibt besser, klüger und viel zeitgemäßer als etwa Goethe, der überschätzte Rockstar der literarischen Klassik, zudem war er ein echter Intellektueller, und der heilige Johann Wolfgang […] mehr…

  • Jimmy’s Hall - Regie: Ken Loach

    „Jimmy’s Hall“ sei sein letzter Film, erklärte Ken Loach, der Kämpfer für die Armen und die Unterdrückten. Konsequent, dass er am Ende noch einmal an den Anfang zurückgeht: in das Jahrzehnt seiner Geburt, zu einem seiner Ahnherrn. Er erzählt die Geschichte von Jimmy Gralton, einem politischen Aktivisten, der in den Dreißigern ohne Anhörung deportiert wurde, […] mehr…

  • Night Moves - Regie: Kelly Reichardt

    Mit „Night Moves“ kehrt die New Yorker Filmemacherin Kelly Reichardt zum vierten Mal in den Nordosten der Vereinigten Staaten zurück. Oregon gilt nicht unbedingt als repräsentativer US-Bundesstaat – umso erstaunlicher ist es, mit welcher Sorgfalt die Regisseurin in ihren Filmen die sozialen Verhältnisse ihres Landes abzubilden versteht. Vielleicht stimmt es aber auch, dass das wahre […] mehr…

  • 22 Jump Street - Regie: Phil Lord & Chris…

    Wenn es so etwas wie ein Meta-Sequel gibt, dann ist dieses schamlos alberne, selbstreferenzielle Sequel zu „21 Jump Street“ (2012) eines. Der Titel bezieht sich auf die Adresse des neuen Hightech-Hauptquartiers (gegenüber vom alten), wo die Undercover Cops Schmidt (Jonah Hill) und Jenko (Channing Tatum) immer noch die gebellten Befehle von Captain Dickson (Ice Cube) […] mehr…

  • Sag nicht, wer Du bist - Regie: Xavier Dolan

    Der Frankokanadier Xavier Dolan ist das Muttersöhnchen des zeitgenössischen Kinos. Bereits fünf Spielfilme hat der 27-Jährige gedreht –der neueste, „Mommy“, hat gerade in Cannes einen Preis gewonnen – und es geht meistens um das eine: Mütter und die Liebe zu ihren Söhnen. So auch die Adaption des Thea­terstücks „Tom à la ferme“ von Michel Marc […] mehr…

  • Tipp: Feuerwerk am helllichten Tage - Regie: Diao Yinan

    „Glaubst du, irgendwer gewinnt im Leben etwas?“, fragt der desillusionierte Ex-Cop Zhang seinen früheren Partner in Diao Yinans prächtig kaputtem Film noir „Feuerwerk am helllichten Tage“. Wenig später ist der Kollege tot, aufgeschlitzt mit einem Paar Schlittschuhe. Eis ist neben Kohle das Hauptmotiv in Yinans dritter Regiearbeit, die im filmisch bislang weitgehend unerschlossenen Norden Chinas […] mehr…

  • Mistaken For Strangers - Regie: Tom Berninger

    Wer bei „Mistaken For Strangers“ einen professionellen Musikfilm erwartet, wird genauso enttäuscht werden wie die Kritiker, die diesem charmanten Werk Dilettantismus bescheinigten. „Liebe Kollegen“, ist man geneigt zu sagen, „genau darum geht es doch hier.“ Tom Berninger, ein dicklicher 30-Jähriger, der immer noch bei seinen Eltern lebt, wird von seinem älteren Bruder, Matt, Sänger der […] mehr…

  • Die Karte meiner Träume - Regie: Jean-Pierre Jeunet

    Jean-Pierre Jeunet („Die fabelhafte Welt der Amélie“) adaptiert Reif Larsons Roman „Die Karte meiner Träume“: Wunderkind T. S. Spivet lebt in einer exzentrischen Familie auf einer Ranch in Montana. Für ein Perpetuum mobile, das der wissenschaftlich hochbegabte Junge erfindet, wird er mit dem Baird-Award der renommierten Smithsonian Institution ausgezeichnet. Um den Preis persönlich in Empfang […] mehr…

  • Finding Vivian Maier - Regie: Charlie Siskel & John…

    Es gibt bereits ein paar berühmte Kindermädchen: Mary Poppins etwa oder Fran Fine aus „Die Nanny“. Noch wundersamer und dazu noch real: Vivian Maier. Trödelhändler John Maloof wurde auf das in Koffern verstaute Œuvre der Hobbyfotografin aufmerksam – Zehntausende Negative, einige Filmrollen – und erkannte sogleich die Qualität der von Maier gemachten Aufnahmen. Straßenszenen im […] mehr…

  • Beste Chance - Regie: Markus H. Rosenmüller

    Mit „Beste Zeit“ und „Beste Gegend“ hat Markus H. Rosenmüller seinem oberbayrischen Heimatdorf Tandern ein filmisches Denkmal gesetzt und uns ein paar äußerst liebenswerte Figuren und tolle junge Schauspieler geschenkt. „Beste Chance“ nun ist der dritte Teil seiner Heimat-Trilogie. Fünf Jahre sind vergangen seit dem Abitur, Jo ist auf Weltreise, Kati zum Architekturstudium nach München, […] mehr…

  • Die zwei Gesichter des Januars - Regie: Hossein Amini

    Lange bevor man weiß, dass Hossein Aminis Edelkrimi „Die zwei Gesichter des Januar“ ein Roman von Patricia Highsmith zugrunde liegt, ist man gefühlsmäßig schon im italienischen Laisser-faire der 60er-Jahre: Alain Delon und Maurice Ronet, stark gebräunt und in weiße Leinenhosen gesteckt. Delon, halbnackt am Steuerrad der Yacht „Marge“. Ronet, müde lächelnd am makellosen Hintern von […] mehr…

  • Zoran – Mein Neffe, der Idiot - Regie: Matteo Oleotto

    Der Handlung nach könnte man denken, es handle sich um ein Remake von „Rain Man“, nur dass wir es hier nicht mit Tom Cruises aalglattem Charlie Babbit zu tun haben, sondern mit dem fetten, stets besoffenen Zyniker Paolo (Giuseppe Battiston), der im italienischen Friaul lebt. Seine verstorbene Tante aus Slowenien vermacht ihm eine Porzellankatze und […] mehr…

  • Einmal Hans mit scharfer Soße - Regie: Buket Alakus

    Hatice Coskun (Idil Üner) ist eine attraktive, erfolgreiche Journalistin – und muss schleunigst einen Mann finden. Ihr anatolischer Vater hält an der Tradition fest, dass die Erstgeborene heiraten muss, bevor es eine von Hatices jüngeren Schwestern darf. Fatma, die Zweit­älteste, ist jedoch schwanger und brennt darauf, ihre große Liebe ehelichen zu dürfen, bevor ihr Bäuchlein […] mehr…

  • Oktober November - Regie: Götz Spielmann

    Mitten im WM-Sommer ein Familiendrama mit dem Titel „Oktober November“ in die Kinos zu bringen, ist zumindest gewagt. Aber ein Werk des österreichischen Film­erzählers Götz Spielmann, der 2009 mit dem lakonischen sozialen Rea­lismus von „Revanche“ für den Auslands-Oscar nominiert wurde, könnte ein gutes Gegengift sein zu Fanmeile und Fahneschwenken, zumal der Regisseur wieder ausführlich, präzise […] mehr…

  • Über-Ich und Du - Regie: Benjamin Heisenberg

    Ein modernistischer Bungalow in schöner Hanglage am Ammersee: Hierhin verschlägt es Nick Gutlicht (Georg Friedrich). Warum, das wird nicht so recht ersichtlich. Doch Nick ist einfallsreich, irgendetwas wird es schon zu tun geben. Und Regisseur Benjamin Heisenberg gefällt es in seiner ersten Komödie ausnehmend gut, seine Figuren in unmöglichen Situationen auszusetzen. Nick bleibt nicht lang […] mehr…