Fotos: Depeche Mode Fan Exhibition in Berlin. ein Tonstudio – und Stasi-Dokumente


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Vom ersten Depeche-Mode-Demotape existieren nur noch zwei Exemplare – und eines davon befindet sich nun zwei Wochen lang in Berlin. Und man sieht auf der Kassettenbeschriftung: Die Band nannte sich damals noch Dépeché Mode – geschrieben mit den französischen accents. Die Depeche Mode Fan Exhibition zeigt vom 7. bis 20. Juni solche Materialien, die Fans der Band ab 1981, als die vier Briten erste Tonträger in den Markt brachten, zusammengetragen haben. 

Darunter befinden sich neben dem Demotape, das das ehemalige Bandmitglied Vince Clark noch handschriftlich mit Telefonnummer und Adresse seiner Mutter (dort wohnte er halt mit 20 noch) kennzeichnete, auch allerhand andere kuriose Dinge: Pressungen der DDR-Plattenfirma AMIGA, ein E-MU Emulator II (eine Drum-Machine) sowie Stasi-Briefe, die die Überwachung von Depeche-Mode-Fanclubs dokumentieren.

Die Ausstellung, die auch im Buch „Monument“ (Blumenbar Verlag) festgehalten ist, nutzt dafür die Räume des ehemaligen Berliner Warenhauses Jandorf – ein leer stehendes, leicht verwittertes, mit nackten Steinwänden versehenes Gebäude, in das sich die Exponate auf zwei Etagen angenehm einfügen.

Dennis Burmeister ist der Band-Fan, der die Ausstellungsstücke archiviert hat und als Herausgeber des Bildbands fungiert. Burmeister, in der DDR aufgewachsen, wurde damals nichts in die Wiege gelegt, da von Depeche Mode in der DDR so gut wie nichts verlegt wurde. So musste der Fan selbst Initiative ergreifen, die meisten Teile hat er über Foren und private Sammler akquiriert. Von Burmeisters ungefähr 10.000 Fan-Gegenständen wurden 500 nun ausgesucht. Und tatsächlich zeigt die in Zusammenarbeit mit dem Electronic Beats-Magazin gestaltete Fan Exhibition so manche Stücke, die die Ausstellung für Anhänger der Band unverzichtbar machen dürften.

Neben den unfreiwillig lustigen, mit Schreibmaschine verfassten DDR-bürokratischen Überwachungsschreiben sind das: Martin Gores Gretsch-Gitarre, Dave Gahans weißes Wifebeater-Unterhemd, das er 1993 während seiner Grunge-Optik-Phase trug, unveröffentlichte Fotos vom Geheim-Auftritt 1988 in Ost-Berlin; vor allem aber berühren einen Selbstgebasteltes und die etlichen Fanzines, die einen Einblick verschaffen, wie sehr diese Band seit mehr als 30 Jahren geliebt wird. Die quasi-religiöse Bedeutung der Musiker für ihre Anhänger wird durch einen eigens angefertigten Weihrauchkessel verstärkt – sowie durch Kippas mit Depeche-Mode-Emblem, die bei israelischen Konzerten 2009 in Umlauf gebracht wurden.

Darin liegt auch das Geheimnis dieser ausgesprochen gut kuratierten Ausstellung: Es werden Stücke gezeigt, die deren Besitzer über alles lieben – Exponate eben, die gar nicht erst versuchen das Geheimnis der Band zu erklären, ihre Geschichte, die Verortung der Bandmitglieder und deren Einflüsse auf die Musik. Fan-Art kreist ja um sich, um die eigene Gedankenwelt, das macht sie so gut. Die einst nur für Promotionzwecke produzierten Dinge dagegen scheitern grandios – die Werbeschreiben der Plattenfirmen für neue Depeche-Mode-Alben etwa, die eine echte Faszination für die Gruppe widerspiegeln sollen. Geradezu hilflos wirkt der Versuch des deutschen Labels, die zweite Single der Band, „New Life“ von 1982, zu erklären. Aber sehen Sie das selbst, vor Ort.

Depeche Mode Fan Exhibition, 7. bis 20. Juni, täglich 12-21 Uhr, Warenhaus Jandorf, Brunnestraße 19, Berlin. Eintritt frei.

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