Ghinzu: „Cold Love“ als Videoclip und Free Download


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Es gab zu wenig Gelegenheiten, Ghinzu in Deutschland live zu sehen – und das obwohl sie in ihrer Heimat Belgien geradezu einen Kultstatus genießen. Bisher reichte es immer nur für kurze Touren oder seltene Festivalauftritte wie auf dem Haldern Pop 2004, wo im selben Jahr passenderweise auch die Landsmänner von dEUS auftraten. Mit deren Frühwerk kann man die Band um John Israel alias John Stargasm auch durchaus vergleichen, bewegen sich doch beide Acts zwischen den Polen Noise, Pop und Rock. Während das Debüt „Electronic Jacuzzi“ lange Zeit nur über Importwege zu beziehen war, erschien der Zweitling – und das wohl beste Album der Band – „Blow“ 2004 via V2 Records in Deutschland, blieb aber leider eher ein Geheimtipp oder etwas für Kenner der belgischen Musikszene.

Dennoch gab es Gelegenheiten, mit der Musik von Ghinzu in Kontakt zu kommen. So komponierte und arrangierte die Band Teile des Soundtracks für „Irina Palm“ mit Marianne Faithful. Der Song „Blow“ beschallte zudem die Abschlussszene des belgischen Skandalfilms „Ex-Drummer“. Die vollständige Szene inklusive des Ghinzu-Songs kann man sich hier anschauen. Da es sich dabei um einen gnadenlos abgefilmten Amoklauf handelt, bei dem in kleinen Zwischenspielen die Erschossenen blutend an ihrem Todesort sitzen, um in Nahaufnahme ein kurzes Lebensfazit zu ziehen, sollte man sich dies nur anschauen, wenn man die passenden Nerven oder eben das passende Alter dafür hat.

Seit vergangenen Freitag ist nun „Mirror Mirror“, das dritte Album der Band, über das Label PIAS auch in Deutschland zu bekommen. Selbstbewusst und bisweilen (zu) selbstverliebt, zerschießen die Belgier hier wieder mit elektronischem und analogem Noise ihre eigentlich recht eingängigen Melodien, was zwar keine neue Idee ist, aber von Ghinzu in Songs wie „Kill The Surfers“, „This War Is Silent“ und „Take It Easy“ verdammt mitreißend zelebriert wird. Stargasms Gesang, der eunuchiges Quieken ebenso wie dunkles Croonen und überdrehtes Schreiben beherrscht, tut sein übriges.

Damit hier endlich mal jemand merkt, dass es die Band gibt, verschenken Ghinzu momentan gegen die Angabe einer Mailadresse den Opener des Albums „Cold Love“ auf ihrer Website. Der Clip dazu erfuhr gestern seine Weltpremiere. Hier ist er:

Ghinzu – Cold Love (Mirror Mirror)
Hochgeladen von GhinzuTV. – Musikvideos, Sänger Interviews, Konzerte und mehr.

Und hier noch der stärkste Song der Band in einer gelungenen Live-Version: „Blow“ (Live At Ancienne Belgique)

Und hier noch ein Ausschnitt des Soundtracks für „Irina Palm“:

Daniel Koch