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Glaube, Liebe, Hoffnung (13): Besser mit Spanien untergehen, als mit Deutschland gewinnen!

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Glaube, Liebe, Hoffnung (13): Besser mit Spanien untergehen, als mit Deutschland gewinnen!

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Nein, das war nicht gut. Ja, die deutsche Mannschaft hat viel mehr Chancen rausgeholt. Es hat sich ausgezahlt, dass Jogi Löw offenbar diesen Blog gelesen hat, unserem Rat gefolgt ist, und Götze einmal zusammen mit Gomez hat spielen lassen, und dass er außerdem den unseligen Draxler endlich dahin gesetzt hat, wo er hingehört: auf die Bank. Ja, das Spiel hätte auch gut 4:0 für Deutschland ausgehen können. Es hätte allerdings auch, seien wir ehrlich, am Ende 1:1 stehen können. Keiner könnte sich darüber beschweren, wenn derartige Chancen liegen gelassen werden.

Ja, Deutschland war also besser als im Polen-Spiel. Das war aber keine große Kunst, unter uns gesagt. Und man muss dann halt schon dazu setzen, dass der Gegner eben Nordirland hieß.

Also bloß nicht täuschen lassen. Der Sieg war eine Pflichtaufgabe, mehr nicht, und die ist nur mit Ach und Krach gelöst worden.
Deutschland hat das Glück des Ängstlichen, es spielt im Grunde genauso wie Nordirland, wie die Schweiz, wie Rumänien, nur auf höherem technischen Niveau. Also wie Portugal, mit verwöhnten Super- und Halbstars, die im Prinzip unter ihrem Niveau bleiben, und den Erfolg über alles stellen, vor allem über die Schönheit. Aber es fehlt die Chuzpe der Italiener, das Genie der Spanier, der Mut der Kroaten, die junge-Hunde-Begeisterung der Engländer.

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Müller immerhin war diesmal super, hatte Chancen ohne Ende – von Formkrise nichts zu spüren. Trotzdem wurde er etwas zur tragischen Figur dieses Spiels. Neuling Kimmich war gut, wenn auch längst nicht so gut, wie er jetzt hochgeschrieben wird. Wer wirklich viel machte und toll war, war Boateng. Der versuchte gestern offenbar in so eine Schweinsteiger-Rolle hineinzurutschen. Kroos war blass, Khedira mal so mal so, Özil bemüht. Hummels stark, hinten wie vorn. Die Rechte Seite der Deutschen war deutlich stärker als die linke. Das Tor selbst war ein Glückstreffer, weil abgefälscht. Trotz 74 Prozent Ballbesitz und zwölf Torchancen ein ödes Spiel.

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Die Spanier dagegen haben viel Spaß gemacht gegen die Kroaten, die allerdings genau so. Man muss in Kroatien nach dem keineswegs unverdienten Sieg gegen Spanien einen der Titel-Favoriten sehen.

“Entzaubert”, wie Javier Cáceres schreibt, ist der Titelverteidiger nun zwar keineswegs. Aber die Spanier haben ähnliche Probleme in der Offensive wie andere spielstarke Teams, die auf Kombinationsfußball, starkes Mittelfeld und nur einen Stürmer setzen. Der soll dann als Büchsenöffner Flanken und Pässe verwandeln. Auf dieses System haben sich längst alle eingestellt, und die besseren schaffen es schnelle Gegenstöße zu setzen. Den Kroaten half dabei natürlich sehr, dass Rakitic bei Barcelona spielt, Modric und Kovacic bei Real Madrid, und das Mandzukic bei Atletico Madrid spielte – das man also die Spanier besonders gut kennt, auch wenn Modric und Mandzukic gar nicht spielten.

Wetten, dass wir trotz der starken Leistung die Kroaten nicht im Finale sehen werden?

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Den Elfmeter, den Ramos verschoss, hätte man nicht pfeifen müssen, das Siegtor der Kroaten von Ivan Perisic war abgefälscht und vom Torwart David Gea mitverschuldet. Der Sieg der Kroaten war dann zwar nicht unverdient, irgendwie in der zweiten Halbzeit sogar fast vorauszuahnen. Zugleich aber waren die Spanier in der ersten Hälfte so haushoch überlegen, dass sie auch mit einem 3:0 hätten rausgehen können. Die Spanier hatten das Spiel dominiert, und im Mittelfeld begeisterten vor allem David Silva und Cesc Fàbregas.

Croatia v Spain - Group D: UEFA Euro 2016
Wenn ich mir beide Spiele anschaue, sind meine persönlichen Sympathien bei dieser EM klar verteilt: Will ich jubeln, wenn sich Deutschland mit glücklichen 1:0 Siegen ins Finale gurkt? Will ich, dass Löw mit seinem Rechthabergestus und Sicherheitsfußball auch noch Recht behält? Will ich, dass Kontrolle belohnt, nordirischer Kampfgeist und spanische Anmut bestraft werden, das Kontrolle über alles geht? Dreimal Nein! Besser mit Spanien verlieren, als mit Deutschland gewinnen. Die Selbstüberschätzung des DFB-Teams sollte möglichst bald bestraft werden. Ob dass dann gerecht ist, ist mir wurscht.

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Die typischen Gelegenheits-Fans solcher Turniere gucken alle Spiele, zumindest alle deutschen, wissen aber schon fünf Minuten nach Abpfiff grad noch das Ergebnis. Neulich vor dem Spiel einmal im Gespräch die Frage nach der Aufstellung der Deutschen: “Hm …Neuer im Tor.” Dann gebe ich Hilfestellung: “Mario …” – “Basler?”. Als kurz darauf die Frage fiel, ob Littbarski eigentlich noch mit dabei ist, haben wir uns dann erstmal schöneren Dinge zugewandt. Während des Spiels dann nach dem deutschen Tor: “Jetzt noch eins” – das war, als etwas später eine weitere Wiederholung lief.

Dennis Grombkowski Getty Images
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  • Jochen Tillmann

    Was schreibst Du fürn merkwürdigen Kram? wenn D evtl im 4 tel- Finale gegen S spielt, dann willst Du mit den Spaniern untergehen aber nicht, dass Deutschland gewinnt ?? So what ?